Rosegger, Peter: Brief an Wilhelm Kienzl. Graz, 30.1.1914
Dr. Peter Rosegger
Graz. 30. I. 1914.
[in Bleistift:] X
Lieber Freund!
Du hast gestern an meiner Frau gesehen,
wie nahe meiner Familie das Schicksal
des „Litumlei“ [Bleistift, andere Hand: ͯ )] geht u. wem man
nun Hauptursache desselben zuschreibt.
Ob mit Recht?
Dieselben Faktoren, die einst an dem
„Schwarzen Doktor“ ein grosses Talent
sahen und die an dem „Litumlei“ einen
neuen, wesentlichen Fortschritt con=
statierten - dieselben Faktoren
haben (nicht mit den Worten, wol aber
in der Anordnung und dem ganzen
Verhalten) öffentlich eine Gering=
schätzung der neuen Arbeit zur
Schau gestellt, die das Publikum schon vorwegs ab=
schrecken mußte und den Autor
irre machen konnte an sich selbst
oder - an Anderen. Der Autor hat
für sein Werk gewiß keine andere
Gunst verlangt, als jedem mit
Ernst Strebenden zuteil zu werden
pflegt.