Rosegger, Peter: Brief an Wilhelm Kienzl. Krieglach, 29.8.1916
Wenn aber die Vornotiz zur Auf=
führung ein wenig das Possenhafte
der Fabel betont, so wird das nicht
schaden.
Seit 20 Jahren, lieber Freund,
schweben einige Noten von Dir
wie ein himmlischer Geist über meinem
Leben. Besonders in dieser Zeit.
Wenn es still ist um mich, und traurig
und wehe, dann wehen die leisen
Töne : Selig sind die Verfolgung
leiden! u. s. w. Und der Klang
in dem Worte Himmelreich löst in
mir eine unsagbar wonnige
Stimmung aus. Allemal! Die
Musik in diesem Worte weckt ein
religiöses Empfinden auf,
das ich geradezu selig nennen
muß.
So komme ich wieder darauf zurück,
die Musik kann mir nur Dinge
geben, die ich schon habe. Ver=
stehen von Musik? Rein gar
nichts, und doch möchte ich sie
meine Kunst nennen, eben