Rosegger, Peter: Brief an Wilhelm Kienzl. Graz, 27.2.1917
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Lieber Freund!
Zeitweilig hab ichs ganz gern, so ein ver=
trauliches Hin= u. Herschreiben über seelische
Angelegenheiten. Man könnte derlei ja
drucken lassen, aber das stinkt nach Geschäft.
Und das Innenleben ist eigentlich keines;
schade, daß der Schriftsteller, der Dichter, der
Künstler es oft für Geld verkaufen muß. -
Deine Karten=Gedanken sind gewöhnlich
mehr wert als 8 Heller. Du könntest
schon 15 Heller dafür springen lassen.
Du meinst, daß Du mit Deinen Freud
und Leid allein stündest? Undankbarer!
Deinen Schmerz über den Tod der Eltern
empfinden Viele mit, die sie gekannt haben.
Nur mag man davon nicht sprechen,
weil es eben nichts zu sprechen gibt, nur
zu fühlen. Trotz des Bedürfnisses nach
Mitleid gibt es eine Wehmut, die man
für sich allein tragen u. mit niemandem
teilen will.
Und die Mitfreude! Jetzt, wo man DIr
allerseits zujubelt. Wenn auch immerhin
Einige darunter sein mögen, denen es