Dr. Peter Rosegger
Krieglach. 2. August 1917.
Lieber Freund! Deine vertrauende
Mitteilung in diesem Sinn habe ich er=
wartet. Wie ich Dich kenne, mußte das
Eine oder das Andere geschehen. Die
Gemütsgewalten des Künstlers lassen
mit sich nicht spaßen. Wie Ihr Euch jetzt
gestellt habt, so möge es recht sein und
niemand soll dran rühren!
Daß Du aus Graz fortgehst, würde für
mich schmerzlich sein, wenn ich bessere
Aussicht hätte, noch länger Grazer Bürger
zu sein. — Wie es mir geht, fragst Du.
Auch ich hungere, aber nur nach
Frieden. Um meine beständige Ab=
magerung zu vertuschen, gießt Mutter
Natur mir Wasser in die Waden. Das
scheint (in Kriegssprache) ihr Fettersatz
zu sein. Daß wir zwei Milchbrüder
der Grazer Universität geworden
sind, ist geistig erfreulich, wird aber
der Fettzunahme wenig nützen.
Krieglach. 2. August 1917.
Lieber Freund! Deine vertrauende
Mitteilung in diesem Sinn habe ich er=
wartet. Wie ich Dich kenne, mußte das
Eine oder das Andere geschehen. Die
Gemütsgewalten des Künstlers lassen
mit sich nicht spaßen. Wie Ihr Euch jetzt
gestellt habt, so möge es recht sein und
niemand soll dran rühren!
Daß Du aus Graz fortgehst, würde für
mich schmerzlich sein, wenn ich bessere
Aussicht hätte, noch länger Grazer Bürger
zu sein. — Wie es mir geht, fragst Du.
Auch ich hungere, aber nur nach
Frieden. Um meine beständige Ab=
magerung zu vertuschen, gießt Mutter
Natur mir Wasser in die Waden. Das
scheint (in Kriegssprache) ihr Fettersatz
zu sein. Daß wir zwei Milchbrüder
der Grazer Universität geworden
sind, ist geistig erfreulich, wird aber
der Fettzunahme wenig nützen.