Rosegger, Peter: Brief an Wilhelm Kienzl. Krieglach, 26.9.1916
Dr. Peter Rosegger
Krieglach. 26. Sept. 1916.
Lieber Freund!
Recht hast, bleib im Landfrieden so lange
als möglich, laß klingen in Dir, was klingt
u. mach all Deine Sinne zu, vor dem
ungeheuren Elend, das uns umtobt.
X Deine Auskünfte über Hermann haben
mich ein wenig beruhigt. Ein bischen ist
es doch was, worüber er verfügt, obschon
es durchaus nicht weit in das Alter des
Ehepaares hineinreichen kann. Ar=
beiten muß er jedenfalls ununter=
brochen; zu der unerhörten Teuerung
kommen die Ärzte u. s. w. *) Ich fürchte, daß
sich seine alte Krankheit wieder meldet,
die der höchsten Diät u. Ruhe bedarf.
Die schweren Erlebnisse haben seine
Nerven erschüttert, u. dazu das
Arbeitenmüssen, das ist Qual und
Gift. Ich habe auch solche Zeiten gehabt,
es ist ein Elend! - Nun trifft es sich,
daß ich bei meinem Verleger in Leipzig
einige Hundert Mark gut habe, die ich
⸺⸺ * Eurer Anfrage zur Folge schreibt er
mir mittlerweile, daß er recht krank und ar=
beitsunfähig ist.