24. Juli, 1919
Hietzing=Wien
Sehr verehrter Herr Dietrichstein!
Ihre alles aufpirschende Feder verriet es mir Ahnungslosen,
dass ich mit zu den „Lieblingen” unseres in Gott schlummernden
Viktor zählte, - pardon, zu jenen im platonischen Sinne, wie ich
Unschuldsvoller wohl behaupten darf! Es mag der Anblick
meines „Schwarzbuches” Ihnen arges Fingerjucken verursacht
haben! „So handgreiflich nahe und doch so unerreichbar ferne”,
dürften Sie gestossseufzert haben! Sie aber blieben stark,
einer Versuchung gegenüber, der nicht jede bibliophile Leiden-
schaft hätte widerstehen können! Na vielleicht mal bei einem
Ihrer nächsten Schlösserinspektionen, wo ein noch lebender
Besitzer es sich von Ihnen abschmeicheln lässt!
Sie frischeln wohl Sommer über in Salzburg? Ein jetzt
von geistigem Ozon geschwängertes Städtchen. Sie befinden
sich da in congenialer Gesellschaft; obenan: Hermann
der literarische Wurzelsepp; der Zweig von St. Stephan,
Grete die unlustige Witwe, u. A. m. Es blüht Ihnen
noch heisse Arbeit! Grüssen Sie, wenn sie ihn sehen, meinen
alten Freund Bahr und lassen Sie es ihn wissen, dass, während
meines 6=wöchigen unfreiwilligen Aufenthaltes*, „Das Hermann
Bahr=Buch” mir zum anregendsten Zeitverkürzer geworden;
ich las es bis zu ende!
Ich bin immer noch krank und hinfällig! Kein Symptömchen
eines Besserwerdens! O dass es auch defekte Blasen und
Prostatas geben muss! - Möge Ihnen die blosse Ahnung erspart
bleiben, was das besagen will!
Möge Salzburg und seine Nockerln Ihnen genussesfrohe Tage sichern! * im Rothschild=Spital
Hietzing=Wien
Sehr verehrter Herr Dietrichstein!
Ihre alles aufpirschende Feder verriet es mir Ahnungslosen,
dass ich mit zu den „Lieblingen” unseres in Gott schlummernden
Viktor zählte, - pardon, zu jenen im platonischen Sinne, wie ich
Unschuldsvoller wohl behaupten darf! Es mag der Anblick
meines „Schwarzbuches” Ihnen arges Fingerjucken verursacht
haben! „So handgreiflich nahe und doch so unerreichbar ferne”,
dürften Sie gestossseufzert haben! Sie aber blieben stark,
einer Versuchung gegenüber, der nicht jede bibliophile Leiden-
schaft hätte widerstehen können! Na vielleicht mal bei einem
Ihrer nächsten Schlösserinspektionen, wo ein noch lebender
Besitzer es sich von Ihnen abschmeicheln lässt!
Sie frischeln wohl Sommer über in Salzburg? Ein jetzt
von geistigem Ozon geschwängertes Städtchen. Sie befinden
sich da in congenialer Gesellschaft; obenan: Hermann
der literarische Wurzelsepp; der Zweig von St. Stephan,
Grete die unlustige Witwe, u. A. m. Es blüht Ihnen
noch heisse Arbeit! Grüssen Sie, wenn sie ihn sehen, meinen
alten Freund Bahr und lassen Sie es ihn wissen, dass, während
meines 6=wöchigen unfreiwilligen Aufenthaltes*, „Das Hermann
Bahr=Buch” mir zum anregendsten Zeitverkürzer geworden;
ich las es bis zu ende!
Ich bin immer noch krank und hinfällig! Kein Symptömchen
eines Besserwerdens! O dass es auch defekte Blasen und
Prostatas geben muss! - Möge Ihnen die blosse Ahnung erspart
bleiben, was das besagen will!
Möge Salzburg und seine Nockerln Ihnen genussesfrohe Tage sichern! * im Rothschild=Spital