DR ARTHUR SCHNITZLER
WIEN, XVIII. STERNWARTESTRASSE 71
26.5.1930.
Lieber und verehrter Herr Direktor.
Wie ich mit besonderem Vergnügen erfah-
re wird Kortner als Professor Bernhardi bei Ihnen
gastieren. Von allen Seiten höre ich,dass seine
Leistung eine ganz ausserordentliche sein soll; doch
möchte ich darauf aufmerksam machen,dass anlässlich
der Berliner Aufführung einige Aenderungen verfügt
worden sind,ohne dass man mich gefragt oder auch
nur nachträglich verständigt hätte. So ist u.a. die
Figur des Filitz mit der des Tugendvetter in eine
verschmolzen worden. Diese Lächerlichkeit hatte
wahrscheinlich in dem Personalmangel des Lessing-
theaters seinen Grund,es ist wohl selbstverständ-
lich,dass im Deutschen Volkstheater so etwas nicht
passieren kann, auch wenn Kortner etwa nach den
70 oder 80 Vorstellungen in Berlin auf diese Ver-
änderung eingespielt sein sollte. Ueberdies hat
im dritten Akt Kortner einige sehr wesentliche
Stellen der Pflugfelder'schen vRolle in seine
herübergenommen. Ich bin überzeugt,dass er hier
darauf verzichten wird und ich ersuche umso drin-
gender es bei der ursprünglichen Fassung zu belas-
sen,als wir ja hier in Kutschera einen ausge-
zeichneten Vertreter des Pflugfelder besitzen,der
den Schluss des dritten Aktes immer zu so besonde-
rer Wirkung gebracht hat und den wir um diese
Wirkung nicht verkürzt wissen wollen. Vielleicht
sind Sie so gütig, verehrter Herr Direktor, Herrn
Forest rauf das hier Gesagte,wenn es notwendig
sein sollte ,hinzuweisen.
Mit herzlichen Grüssen
Ihr sehr ergebener
Arthur Schnitzler
Herrn Direktor Dr.Beer,
Deutsches Volkstheater.
WIEN, XVIII. STERNWARTESTRASSE 71
26.5.1930.
Lieber und verehrter Herr Direktor.
Wie ich mit besonderem Vergnügen erfah-
re wird Kortner als Professor Bernhardi bei Ihnen
gastieren. Von allen Seiten höre ich,dass seine
Leistung eine ganz ausserordentliche sein soll; doch
möchte ich darauf aufmerksam machen,dass anlässlich
der Berliner Aufführung einige Aenderungen verfügt
worden sind,ohne dass man mich gefragt oder auch
nur nachträglich verständigt hätte. So ist u.a. die
Figur des Filitz mit der des Tugendvetter in eine
verschmolzen worden. Diese Lächerlichkeit hatte
wahrscheinlich in dem Personalmangel des Lessing-
theaters seinen Grund,es ist wohl selbstverständ-
lich,dass im Deutschen Volkstheater so etwas nicht
passieren kann, auch wenn Kortner etwa nach den
70 oder 80 Vorstellungen in Berlin auf diese Ver-
änderung eingespielt sein sollte. Ueberdies hat
im dritten Akt Kortner einige sehr wesentliche
Stellen der Pflugfelder'schen vRolle in seine
herübergenommen. Ich bin überzeugt,dass er hier
darauf verzichten wird und ich ersuche umso drin-
gender es bei der ursprünglichen Fassung zu belas-
sen,als wir ja hier in Kutschera einen ausge-
zeichneten Vertreter des Pflugfelder besitzen,der
den Schluss des dritten Aktes immer zu so besonde-
rer Wirkung gebracht hat und den wir um diese
Wirkung nicht verkürzt wissen wollen. Vielleicht
sind Sie so gütig, verehrter Herr Direktor, Herrn
Forest rauf das hier Gesagte,wenn es notwendig
sein sollte ,hinzuweisen.
Mit herzlichen Grüssen
Ihr sehr ergebener
Arthur Schnitzler
Herrn Direktor Dr.Beer,
Deutsches Volkstheater.