Wien, 12/2. 1916.
XV. Mariahilferstraße 158.
Hochverehrter, gottbegnadeter Herr!
Wie tief erfreut und stolz ich gestern
war, als ich die, einem Schreiben der
Schriftstellergenossenschaft beigeschlossene
Bildkarte erblickte, kann ich gar nicht
sagen! Ich schaute den genialen Dichter=
kopf, die lieben gütigen Zeilen immer
wieder an - ist es denn möglich, daß Sie,
der Gefeierte, Große, so freundliche Worte
für mich finden und von meinem beschei=
denen schriftstellerischen Schaffen wissen?
Meinem Gemüt, das seit langem schwer
bedrückt und voll Zweifel ist, war diese
überraschende Auszeichnung ein Labsal,
ein Trost und eine Ermutigung. Seit Jahren
bin ich Ihre begeisterte Verehrerin - ich
XV. Mariahilferstraße 158.
Hochverehrter, gottbegnadeter Herr!
Wie tief erfreut und stolz ich gestern
war, als ich die, einem Schreiben der
Schriftstellergenossenschaft beigeschlossene
Bildkarte erblickte, kann ich gar nicht
sagen! Ich schaute den genialen Dichter=
kopf, die lieben gütigen Zeilen immer
wieder an - ist es denn möglich, daß Sie,
der Gefeierte, Große, so freundliche Worte
für mich finden und von meinem beschei=
denen schriftstellerischen Schaffen wissen?
Meinem Gemüt, das seit langem schwer
bedrückt und voll Zweifel ist, war diese
überraschende Auszeichnung ein Labsal,
ein Trost und eine Ermutigung. Seit Jahren
bin ich Ihre begeisterte Verehrerin - ich