Mein lieber, teurer Freund!
Gestern, als ich von Eisgrub heimkam,
fand ich Deine Zeilen vor. Was Du durch=
gemacht hast, fühle ich mit Dir, und wenn
meine Freundschaft für Dich sich noch vertie-
fen könnte, so geschähe es jetzt.
Heute werde ich Dich nicht sehen. Ich
selbst habe in den letzten Tagen so Bitte=
res, so viel Kummer erlebt, dass ich ganz
niedergebeugt bin und wenigstens
vorläufig nicht unter Menschen gehen
kann. Ob ich mich überhaupt wieder
aufzuraffen vermag, weiß ich nicht.
Das Schlimmste ist, dass ich fürchte, meine
Schaffenskraft ganz verloren zu haben -
Nach einiger Zeit, wenn ichs überstehe,
werde ich Dir wohl alles sagen. Jetzt
muss ich schweigen und bitte Dich, nie=
mandem eine Andeutung zu machen.
Mit treuen herzlichsten Grüßen
Dein
Hans Sittenberger
Wien, 5. Okt.
914.
Gestern, als ich von Eisgrub heimkam,
fand ich Deine Zeilen vor. Was Du durch=
gemacht hast, fühle ich mit Dir, und wenn
meine Freundschaft für Dich sich noch vertie-
fen könnte, so geschähe es jetzt.
Heute werde ich Dich nicht sehen. Ich
selbst habe in den letzten Tagen so Bitte=
res, so viel Kummer erlebt, dass ich ganz
niedergebeugt bin und wenigstens
vorläufig nicht unter Menschen gehen
kann. Ob ich mich überhaupt wieder
aufzuraffen vermag, weiß ich nicht.
Das Schlimmste ist, dass ich fürchte, meine
Schaffenskraft ganz verloren zu haben -
Nach einiger Zeit, wenn ichs überstehe,
werde ich Dir wohl alles sagen. Jetzt
muss ich schweigen und bitte Dich, nie=
mandem eine Andeutung zu machen.
Mit treuen herzlichsten Grüßen
Dein
Hans Sittenberger
Wien, 5. Okt.
914.