Benesch, Josef Ferdinand: Feldpostkarte an Arthur Roessler. o.O., 8.6.1917
8.6.17.
Lieber Rössler!
Deine liebe Karte macht mir viele Freude
Du weißt ja wie man sich freut von der lieben
Wienerstadt einen heimatlichen Gruß zu
kriegen. Und erst recht wenn man wie
wir hier rechnen kann nicht sobald
in die Lage zu kommen sie wiederzusehen.
Unsere Ausstellung hat dir gefallen? Ich
kriege wenig Nachricht von den Künstlern,
sind alle schreibfaul. Und du bist wieder
eingerückt! Und kein Ende! Wie gefielen
dir meine Radierungen. Kann nun gar
nichts arbeiten. Am Anfange hatte ich einige
freie Zeit nun ist für längere Zeit vorbei.
Bin in der Baons kanzlei und von früh
bis abends „angehängt”. Baons adj. war
auf Urlaub und ich Vertreter! Kannst dir
denken wie ich geschwitzt habe. Urlaube
wechseln jetzt nur so ab. Arbeit fällt auf
die übrigen und bei uns ist ein knapper
Stand von Arbeitern nicht so wie im Hinter=
land, wo in der Komp. Kanzlei mehr sind.
Sonst gehts mir gut. Verpflegt tadelos! Also
muß man zufrieden sein. Grüße mir
meine 84. Kameraden und sollte einer hier
durchkommen, soll er mich besuchen! Schreibe
bald wieder und sei herzlichst gegrüßt
von deinem J. F. Benesch.