Den 14. Mai 1914
Liebe Frau Else Lasker-Schüler,
ich muss mich mit aller Entschiedenheit
dagegen verwahren,als hätte ich jemals zu irgendeinem Menschen gesagt,
Sie seien nicht bei Senna Hoy gewesen.Jm Gegenteil,sowohl ich wie meine
Frau haben wiederholt Zweifelnden gegenüber(wie z.B.der Frau Dr Jchak)
betont,dass Sie in Russland bei Senna Hoy gewesen sind.Wer das Gegenteil
behauptet lügt unverschämt.
Diese doch wirklich unzweideutige Erklärung
wird Jhnen,liebe Frau Else Lasker-Schüler,die Ungerechtigkeit Jhres Vor-
wurfes,ich hätte Jhre tapfere Russlandfahrt angezweifelt,klar machen.Jch
habe Jhnen überdies(im Restaurant in der Jerusalemerstr)Briefe S.H.s vor-
gelesen,die für Jhren Besuch Beweis waren,wenn es für einen Menschen eines
Beweises bedurft hätte(für meine Frau und mich nicht).
Dass ich im Leitartikel den Russland-
besuch nicht erwähnt hatte,ist einfach damit erklärt:ich war beim Schreiben
des Aufsatzes in solcher Empörung,dass ich daran nicht dachte;nachher je-
doch hoffte ich,Sie würden selbst noch über Senna Hoy schreiben und dann
dieses letzte von Angesicht-zu Angesicht-sehen schildern,und da war ich
froh,Jhnen nicht zuvorgekommen zu sein.
Das Gedicht ist rein zufällig in die
Reihenfolge gekommen;ich habe mir nichts,aber garnichts Böses dabei ge-
dacht.Jch bedaure sehr,wenn Sie gekränkt sind. Ich weiss noch immer nicht, was Sie meinen. Und schliesslich Karl Kraus.Hier,liebe
Frau Else Lasker-Schüler beginnt das Kapitel Literaturpolitik,und da muss
ich offen sagen,dass ich weder jemand zuliebe Angriffe unternehme noch
unterlasse.Karl Kraus hat mich be schimpft,wie ein Kutscher etwa schimpft.
Jch habe,wiederholt,gegen ihn geschrieben;aber dass Sie Jhre Stellung zu
mir von meiner Stellung zu Karl Kraus beeinflussen lassen,finde ich recht
ungerecht.Denke Sie,wenn ich etwa meine Handlungen darnach einrichten
wollte,wie es der Einzelne wünscht,wenn ich etwa,da Max Oppenheimer mein
Mitarbeiter ist,Sie aber gegen Opppenheimer Einwände haben,mich nun nach
Jhnen oder nach Mopp richten wollte,politisch,als Leiter der AKTION-was
käme bei solcher Personenpolitik heraus?
Jch beklage tief,dass Sie mir ohne
jeden Grund Jhre Freundschaft entziehen wollen und ich hoffe,diese Zeilen
stimmen Sie um.
Mit ergebenen Grüssen
Franz Pfemfert
Anbei die Zeichnungen
Uebrigens sollten Sie doch schon dadurch von meiner objektiven
Stellung Karl Kraus gegenüber überzeugt sein: ich war sofort
mit Vergnügen bereit, Ihren Karl Kraus-Kopf (der anbei folgt) in der AKTION
zu reproduzieren.
Liebe Frau Else Lasker-Schüler,
ich muss mich mit aller Entschiedenheit
dagegen verwahren,als hätte ich jemals zu irgendeinem Menschen gesagt,
Sie seien nicht bei Senna Hoy gewesen.Jm Gegenteil,sowohl ich wie meine
Frau haben wiederholt Zweifelnden gegenüber(wie z.B.der Frau Dr Jchak)
betont,dass Sie in Russland bei Senna Hoy gewesen sind.Wer das Gegenteil
behauptet lügt unverschämt.
Diese doch wirklich unzweideutige Erklärung
wird Jhnen,liebe Frau Else Lasker-Schüler,die Ungerechtigkeit Jhres Vor-
wurfes,ich hätte Jhre tapfere Russlandfahrt angezweifelt,klar machen.Jch
habe Jhnen überdies(im Restaurant in der Jerusalemerstr)Briefe S.H.s vor-
gelesen,die für Jhren Besuch Beweis waren,wenn es für einen Menschen eines
Beweises bedurft hätte(für meine Frau und mich nicht).
Dass ich im Leitartikel den Russland-
besuch nicht erwähnt hatte,ist einfach damit erklärt:ich war beim Schreiben
des Aufsatzes in solcher Empörung,dass ich daran nicht dachte;nachher je-
doch hoffte ich,Sie würden selbst noch über Senna Hoy schreiben und dann
dieses letzte von Angesicht-zu Angesicht-sehen schildern,und da war ich
froh,Jhnen nicht zuvorgekommen zu sein.
Das Gedicht ist rein zufällig in die
Reihenfolge gekommen;ich habe mir nichts,aber garnichts Böses dabei ge-
dacht.Jch bedaure sehr,wenn Sie gekränkt sind. Ich weiss noch immer nicht, was Sie meinen. Und schliesslich Karl Kraus.Hier,liebe
Frau Else Lasker-Schüler beginnt das Kapitel Literaturpolitik,und da muss
ich offen sagen,dass ich weder jemand zuliebe Angriffe unternehme noch
unterlasse.Karl Kraus hat mich be schimpft,wie ein Kutscher etwa schimpft.
Jch habe,wiederholt,gegen ihn geschrieben;aber dass Sie Jhre Stellung zu
mir von meiner Stellung zu Karl Kraus beeinflussen lassen,finde ich recht
ungerecht.Denke Sie,wenn ich etwa meine Handlungen darnach einrichten
wollte,wie es der Einzelne wünscht,wenn ich etwa,da Max Oppenheimer mein
Mitarbeiter ist,Sie aber gegen Opppenheimer Einwände haben,mich nun nach
Jhnen oder nach Mopp richten wollte,politisch,als Leiter der AKTION-was
käme bei solcher Personenpolitik heraus?
Jch beklage tief,dass Sie mir ohne
jeden Grund Jhre Freundschaft entziehen wollen und ich hoffe,diese Zeilen
stimmen Sie um.
Mit ergebenen Grüssen
Franz Pfemfert
Anbei die Zeichnungen
Uebrigens sollten Sie doch schon dadurch von meiner objektiven
Stellung Karl Kraus gegenüber überzeugt sein: ich war sofort
mit Vergnügen bereit, Ihren Karl Kraus-Kopf (der anbei folgt) in der AKTION
zu reproduzieren.