Specht, Richard: Brief an Felix von Weingartner. Wien, 25.11.1914
Wien, 25. November 1914
Verehrter Herr Generalmusikdirector (ich trau' mich noch an keine andre
Anrede - Sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen!) - ich habe Ihrem Wunsch
gemäß mit Rosé wegen seines eventuellen Wiedereintritts bei den „Philharmonikern”
gesprochen. Leider mit negativem Resultat; er bittet, von dem Gedanken abzusehen -
er steht mit Prill und dem ganzen Orchester jetzt so gut, daß er dieses Verhältnis nicht gern
gefährden möchte, und er fürchtet, daß eine solche Störung unbedingt eintreten würde.
Ich bedaure von Herzen, daß ich Ihnen kein besseres Bescheidwort sagen kann. Es wär' halt
wieder einmal zu schön gewesen.
Hoffentlich sehe ich Sie Samstag in der Probe des „Philharmonischen”. Wenn
aber nicht, dann jedenfalls auf Wiedersehen bei uns, Sonntag Abends. Wir
freuen uns herzlichst darauf und bitten Sie, recht früh zu kommen; 1/2 8 Uhr etwa,
damit wir früh nachtmahlen und möglichst lange zusammenbleiben können.
Die schönsten Grüße von Haus zu Haus!
Aufrichtig ergeben Ihr
Richard Specht
Wann ist denn die Generalprobe zu
„Kain und Abel”?