Wien 18. 2. 27
Lieber verehrter Herr Roessler, da Sie nun, sicherem Vernehmen nach, auch
in die Garde der fünfzigjährigen einrücken, müssen Sie es sich schon gefallen
lassen, dass wir Älteren Sie mit aller Genugthuung unter uns willkom-
men heißen, wobei wir eigentlich nicht Ihnen, sondern uns gratulieren. Denn
nicht bald werden wir ein so stattliches, jugendliches und ein so liebens-
würdiges Exemplar von Fünfziger in unserer Reihe haben. Wenn es Ihnen
so weiter gelingt, in schönster Jugend zu altern, werden Sie mit sechzig
wie vierzig, mit siebzig wie fünfzig u. s. w. wirken und zum 100
Geburtstage sich erst recht fidel fühlen. Nur dass ich dann kaum mehr
in der Lage sein dürfte, Ihnen zu gratulieren. Solange ich mich aber
an Ihrer Freundlichkeit, an Ihrer herzlichen Teilnahme für alles Schöne, an
Ihrem reizenden Plaudern, an Ihrer erquicklichen körperlichen und geistigen
Munterkeit freuen darf, will ich Ihnen - und nicht nur in diesem Brief, sondern
in allen meinen Gedanken - dafür erkenntlich sein, dass Sie Ihre Liebenswürdig-
keit auch mir zuwenden und will Sie bitten, mir Ihre gute Gesinnung
zu erhalten. So gilt eben mein wärmster Glückwunsch für Sie - im stillen
auch mir: ich möchte noch sehr lange mich in Ihrer Wärme und Helligkeit
wolfühlen dürfen. Bleiben Sie gut Ihrem alten ergebenen
Otto Stoessl
Lieber verehrter Herr Roessler, da Sie nun, sicherem Vernehmen nach, auch
in die Garde der fünfzigjährigen einrücken, müssen Sie es sich schon gefallen
lassen, dass wir Älteren Sie mit aller Genugthuung unter uns willkom-
men heißen, wobei wir eigentlich nicht Ihnen, sondern uns gratulieren. Denn
nicht bald werden wir ein so stattliches, jugendliches und ein so liebens-
würdiges Exemplar von Fünfziger in unserer Reihe haben. Wenn es Ihnen
so weiter gelingt, in schönster Jugend zu altern, werden Sie mit sechzig
wie vierzig, mit siebzig wie fünfzig u. s. w. wirken und zum 100
Geburtstage sich erst recht fidel fühlen. Nur dass ich dann kaum mehr
in der Lage sein dürfte, Ihnen zu gratulieren. Solange ich mich aber
an Ihrer Freundlichkeit, an Ihrer herzlichen Teilnahme für alles Schöne, an
Ihrem reizenden Plaudern, an Ihrer erquicklichen körperlichen und geistigen
Munterkeit freuen darf, will ich Ihnen - und nicht nur in diesem Brief, sondern
in allen meinen Gedanken - dafür erkenntlich sein, dass Sie Ihre Liebenswürdig-
keit auch mir zuwenden und will Sie bitten, mir Ihre gute Gesinnung
zu erhalten. So gilt eben mein wärmster Glückwunsch für Sie - im stillen
auch mir: ich möchte noch sehr lange mich in Ihrer Wärme und Helligkeit
wolfühlen dürfen. Bleiben Sie gut Ihrem alten ergebenen
Otto Stoessl