Stradal, August: Kartenbrief an Max von Millenkovich-Morold. Wien, 27.10.1917
Wien 27/10 1917 [in Bleistift:] 10
Hochverehrter Herr Hofrath!
„Im fernen West, unnahbar meinen
Schritten″ steht ein Tell!!!
Am 22 war ich, ohne etwas zu erreichen,
bei der Kasse der Volksoper. Am 24 da
capo, auch wieder umsonst. Man
telephonierte an die Kasse des Theatergebäudes.
Dort wußte man schon rechts nichts.
Als gestern Ihre liebe pneumatische
Karte kam, zog ich heute Vormittag
von der Mohsgasse in das Jubilaumstheater
wo ich punct 11 Uhr eintraf u. ich die
„Herzerhebende″ Mitteilung erhielt, dass
außer in der allerletzten Reihe Parterre
überhaupt nichts mehr zu haben ist.
Da ich in dieser letzten Reihe natürlich gar keinen
Genuss habe, so zog ich unverrichteter Sache
wieder heim, nachdem ich Dank der
freundlichen Einladung des Reiter Vereines
3 Vormittage geopfert habe!! Um mich zu
einem 4ten Versuch aufzuraffen, bin ich
schon zu alt, deßhalb bedauere Ihr Werk
nicht hören zu können. Hoffentlich ist die
Aufführung nicht im Styl der Parsifal Aufführung
in der Volksoper, welche mir unvergeßlich bleibt!
- Na Sie verstehen mich. In alter
Verehrung Ihr August Stradal
Wien 27/10 1917