Thimig, Hugo: Brief an Auguste Wilbrandt-Baudius. Wien, 23.12.1934
[von anderer Hand:] Hugo Thimig
Rudolfinerhaus, Wien.
23. Dez. 1934.
Geliebte Auguste!
Weißt Du was Prophylaxe ist?
Ich weiß es jetzt: Prophylaxe ist, wenn man am
Haxl eine renitente Vene hat, mit der man sich
in's Rudolfinerhaus legen muß, damit sie Vernunft
annimmt und nicht Schlimmeres anstellt.
So legte man denn mein bekannt schönes
und von in= und ausländischen Bildhauern viel
bewundertes rechtes Bein prophylaktisch auf ein
blütenweißes Bett in ein schneeweißes Zimmer
und weiße und weise Männer und Weibleins sind
geschäftig, mir auf diese Art wenigstens ein weißes
Weihnachten vorzugaukeln. Dir aber, geliebte Gustl,
wünschen meine Frau und ich von Herzen an Deinem
grünen Weihnachtstag und für die Feiertage der Wende
dieses ungemütlichen Jahres auch aus Herzensgrund
alles das Gute und Dir Wohltätige, was treuliche Freund=
schaft und Liebe nur wünschen können.