ERNST TOLLER
BERLIN-GRUNEWALD
KÖNIGSALLEE 45 19.Dez.1928
Herrn
Ernst Krenek.
Berlin
Lieber Ernst Krenek,
über Ihren Brief war ich sehr traurig. Man sollte nie in Hast
miteinander sprechen, immer ergeben sich dann Missverständnisse.
Dass ich mit solcher Heftigkeit am Text des zweiten Stücks Kritik
übte, hat nur einen Grund: ich stehe zu Ihnen freundschaftlich.
Wäre das nicht der Fall, wären Sie mir gleichgültig, hätte ich wahr-
scheinlich einige laue Worte gefunden.
Ich muss Ihnen den Inhalt des Stückes sehr unzulänglich er-
zählt haben. Es ist schade, dass Sie es nicht kennen lernten. Nicht
allein Berlin W wird bekämpft, sondern Lebens- und Geisteshaltung,
die hier und in Frankreich und Amerika aktuelle mächtige Reali-
tät ist, und die einmal in ihrer ganzen Korruption satirisch aufge-
deckt wird. Ich bin nach wie vor der Auffassung, dass das Stück, aus vielen
Gründen, Sie ausserordentlich gereizt hätte - wenn Sie es kennen
würden. Aber ich muss Ihren Entschluss achten. Die Musik schreibt
jetzt Friedrich Hollaender.
Ich grüsse Sie aufs herzlichste und wünsche Ihnen alles Gute
für Ihre Arbeit.
Stets Ihr
Ernst Toller.
BERLIN-GRUNEWALD
KÖNIGSALLEE 45 19.Dez.1928
Herrn
Ernst Krenek.
Berlin
Lieber Ernst Krenek,
über Ihren Brief war ich sehr traurig. Man sollte nie in Hast
miteinander sprechen, immer ergeben sich dann Missverständnisse.
Dass ich mit solcher Heftigkeit am Text des zweiten Stücks Kritik
übte, hat nur einen Grund: ich stehe zu Ihnen freundschaftlich.
Wäre das nicht der Fall, wären Sie mir gleichgültig, hätte ich wahr-
scheinlich einige laue Worte gefunden.
Ich muss Ihnen den Inhalt des Stückes sehr unzulänglich er-
zählt haben. Es ist schade, dass Sie es nicht kennen lernten. Nicht
allein Berlin W wird bekämpft, sondern Lebens- und Geisteshaltung,
die hier und in Frankreich und Amerika aktuelle mächtige Reali-
tät ist, und die einmal in ihrer ganzen Korruption satirisch aufge-
deckt wird. Ich bin nach wie vor der Auffassung, dass das Stück, aus vielen
Gründen, Sie ausserordentlich gereizt hätte - wenn Sie es kennen
würden. Aber ich muss Ihren Entschluss achten. Die Musik schreibt
jetzt Friedrich Hollaender.
Ich grüsse Sie aufs herzlichste und wünsche Ihnen alles Gute
für Ihre Arbeit.
Stets Ihr
Ernst Toller.