STÄDTISCHE
BÜHNEN
DER INTENDANT DER OPER
D
FRANKFURT AM MAIN, DEN 28. April 1931
HOCHSTRASSE 46 / FERNRUF HANSA 20691
Herrn
Alban Berg,
Wien XIII/I
Trautmansdorffgasse 27
Sehr lieber Herr Berg!
Nun bin ich aber totböse, tief gekränkt, schwer belei-
digt und was man so noch weiter anführen könnte.
Ihre Zeilen an mich sind liebe, alle Briefe habe ich
weitergeleitet, auch die Bilder an Steinberg und Graf.
Lieber Herr Berg! Wo bin ich geblieben? Ich weiss,
geleistet habe ich nichts – ich bin ja bloss Intendant und Leiter
des Opernhauses. Es tut irgendwie und irgendwo ziemlich weh,
beiseite stehen zu müssen.
Lassen Sie sich bitte von diesen Worten nicht beein-
flussen, mir jetzt ein Bild zu schicken, trotzdem ich es gerne
gehabt hätte. Schönberg war goldiger zu mir.
Na – Ollendorf sagt im Bettelstudenten – "Schwamm
drüber". Aber ich will ehrlich sein und es musste vom Herzen
herunter.
So, mein lieber Herr Berg, nun seien Sie bestens
gegrüsst, wie auch Ihre liebe Frau, von
Ihrem
Turnau
BÜHNEN
DER INTENDANT DER OPER
D
FRANKFURT AM MAIN, DEN 28. April 1931
HOCHSTRASSE 46 / FERNRUF HANSA 20691
Herrn
Alban Berg,
Wien XIII/I
Trautmansdorffgasse 27
Sehr lieber Herr Berg!
Nun bin ich aber totböse, tief gekränkt, schwer belei-
digt und was man so noch weiter anführen könnte.
Ihre Zeilen an mich sind liebe, alle Briefe habe ich
weitergeleitet, auch die Bilder an Steinberg und Graf.
Lieber Herr Berg! Wo bin ich geblieben? Ich weiss,
geleistet habe ich nichts – ich bin ja bloss Intendant und Leiter
des Opernhauses. Es tut irgendwie und irgendwo ziemlich weh,
beiseite stehen zu müssen.
Lassen Sie sich bitte von diesen Worten nicht beein-
flussen, mir jetzt ein Bild zu schicken, trotzdem ich es gerne
gehabt hätte. Schönberg war goldiger zu mir.
Na – Ollendorf sagt im Bettelstudenten – "Schwamm
drüber". Aber ich will ehrlich sein und es musste vom Herzen
herunter.
So, mein lieber Herr Berg, nun seien Sie bestens
gegrüsst, wie auch Ihre liebe Frau, von
Ihrem
Turnau