Vaihinger, Hans: Brief an Hans Prager. Halle, Saale, 27.8.1915
Phänomen des Weltkrieges und das Phäno=
men des Krieges überhaupt auffassen.
Das steht in wohltuendem Gegensatz
zu der unklaren Phantastik der Friedens-
freunde nach der Art von H. Fried, welcher
Ideale und Wünsche mit Wirklichkeiten
verwechselt. Natürlich sind die Schrecken
des Krieges, denen Sie selbst ja jetzt auch
näher treten, furchtbar und entsetzlich,
und sicher wäre mancher Krieg und
vielleicht sogar auch dieser Weltkrieg zu
vermeiden gewesen, aber der Krieg überhaupt
ist, wie Sie ganz richtig erkennen, ein un=
entbehrlicher Faktor aller Kulturentwick=
lung; so war es in der Vergangenheit und
so wird es noch für lange Zeit bleiben. Mit
Recht betonen Sie aber auch den Widersinn
des Krieges, wie Sie ja überhaupt einen
offenen Sinn für die Paradoxien des
Daseins haben. Dass Sie auch für die
Paradoxien des Denkens ein klares Auge