Walden, Harry: Brief an Friedrich Schreyvogl. Wien, 17.1.1918
Wien, den I7. Januar I8.
XIX Sieveringerstrasse 88.
Lieber Herr Schreyvogl!
Für Ihre lieben Zeilen danke ich Ihnen. Ich hätte sowie-
so heute Veranlassung genommen Ihnen zu schreiben. Es ist auf mir unverständ-
liche und unerklärliche Weise Ihr kleines Gedichtbuch aus meiner Wohnung ver-
schwunden. Ich weiss nicht, ob vielleicht einer Ihrer Konkurrenten einen Ein-
bruch in meine Bibliothek verübt hat,um Ihr Werk zu stehlen. Jedenfalls habe
ich das ganze Haus absuchen lassen ohne das geringste Resultat. Ich hatte für
mein Vortragsprogramm von Ihnen zwei hübsche Sachen ausgewählt: I. Beherzigung
und II. Rokoko. Ich hoffe, dass ich diese beiden Dichtungen von Ihnen in mein
vorläufig noch sehr umfangreiches Programm aufnehmen kann. Jedenfalls müssen
Sie aber die Freundlichkeit haben, mir zunächst einmal wieder zu dem Text dieser
Dichtung zu verhelfen. Sie müssen so gut sein mir noch ein Büchelchen Ihrer
neuesten Sammlung zu übermitteln.
Ich danke Ihnen im Vorhinein und bleibe mit freundlichen Grüssen
Ihr
Harry Walden