Walden, Harry: Brief an Else Wohlgemuth. St. Gilgen, 3.8.1916
St. Gilgen 3. August 1916.
Liebes Fräulein Wohlgemuth.
Viel lieben Dank für Ihre freundliche
Karte. Was sagen Sie? Seit dem 1. Juli, also
seit genau 34 Tagen bin ich krank und
weiss nichts von Ferien und Ausspannen und
Erholen und allen sonstigen schönen Sachen. Die
meiste Zeit habe ich im Bett zugebracht, wo
ich mich auch jetzt - diese Zeilen an Sie dik-
tierend - befinde. Gestern durfte ich mit Er-
laubnis des Arztes eine Stunde auf dem Balkon
im Liegestuhl zubringen, aber heute weht ein
Lüfterl und da heisst es eben wieder schön im Bett
liegen bleiben.
Jedenfalls freut es mich herzlich, dass
Sie mir geschrieben haben und vor allen Dingen,
dass Sie gesund sind und sich in Ihrem
Sommeraufenthalt scheinbar sehr wohl befinden.
Von meiner Frau soll ich Ihnen die