Weber, Edmund: Brief an Richard von Kralik. Wien, 31.3.1919
DIE NIBELUNGEN
Vierteljahrsschrift zur Pflege christlich-germanischer Kultur.
Herausgeber: Edmund Weber.
(Alle Zuschriften an:
E. WEBER,
WIEN,
20., Wintergasse 31.)
Wien, am 31. 3. 1919.
Sehr geehrter Herr Doktor!
Besten Dank für Ihren werten Brief. Wie ich Ihnen schon schrieb,
befolge ich Ihre Ratschläge und sehe von jedem Sonderheft ab. Habe
diesbezüglich schon an Herr Zl. geschrieben (.Selbstverständlich ohne
jegliche Beziehung oder Andeutung auf Ihre Worte.)
Mit Vergnügen sehe ich Ihrem Aufsatz „Was wollen und sollen die Nibelungen?″
entgegen. Bis zum Redakt. Schluß des nächsten Heftes sind noch 7-8 Wochen
Zeit. Herzlich danke ich Ihnen für die zahlreichen Rundfrage-Vorschläge.
Halten Sie es gut, Herr Doktor, gleich in die nächste Nummer
wieder eine Rundfrage aufzunehmen, oder sollen wir eine
solche erst in die Septembernummer aufnehmen? Im ersten
Falle würde ich die Frage: „Wie hat sich die deutsche Kultur zum Sozialis=
mus und Kommunismus zu stellen?″ oder „Wie zur Staatsform?″
aufstellen. Bezüglich der Frage über die Staatsform fürchte ich nur, daß
sehr wenig Äußerungen einlaufen werden, da die meisten Personen
ein diesbezügliches Bekenntnis scheuen dürften. Ich persönlich wäre
von der letzteren Frage freilich mehr eingenommen. Falls Sie
aber eine Rundfrage im Juli-Heft für verfrüht halten sollten, so
würde ich für September eine solche von allgemeinem Belang
wie: Wo hat die deutsche Kultur ihre Grundlagen zu suchen ...?