Weingartner, Felix: Brief an Leo Pallasch. Buenos Aires, 15.8.1922
dieselben, mit denen ich vor dem Eintreffen der
Philharmoniker hier dirigierte.
Auch diese Vorstellungen waren ein hier noch
nicht erhörter Erfolg.
Ich bin trotz aller Arbeit sehr frisch und wohl.
Wie mag's bei Euch aussehen! Die Nachrichten,
die man in den Zeitungen liest, lauten nicht
erfreulich.
Von der V.Oper höre ich nichts, trotzdem
regelmässige Nachrichten ausgemacht waren.
Hoffentlich habt Ihr einen guten Sommer verlebt,
oder verlebt ihn noch, während wir hier im milden
Winter sind, ein Winter, meist ohne Paletot, offenen
Fenstern, in Rio sogar in leichten Sommerkleidern.
Es sind fabelhafte Länder, reich an Zukunft, aber
auch an Gegenwart.
Wie gehts der kleinen Lucille? Küßt sie herzlich
von mir.
In Wien versuchten wir, Euch von unserer Abreise
zu verständigen, aber das Telefon versagte
ständig.
Meine Frau sendet Dir und Isa schönste Grüße,
und ich umarme Euch in alter Freundschaft
Euer
Felix
[in Bleistift:] Weingartner