Werfel, Franz: Brief an Andreas Thom. Breitenstein, 16.4.1928
Breitenstein
Lieber Herr Thom
Heute erhielt ich Ihren Roman und hatte
schon mit großer Freude die ersten Seiten
gelesen, – da kam Paul Zsolnay zu mir
zu Besuch. – Ich habe ihm das Buch sofort
und mit den allerwärmsten Worten mitgegeben.
Er fährt erst morgen von Semmering nach Wien
u. wird den Roman teils im Hotel, teils im
Zug zu Ende lesen. Obgleich ich sehr
unglücklich bin, selbst jetzt nicht weiter lesen
zu können, glaube ich doch richtig und in Ihrem
Interesse gehandelt zu haben, denn nur ausserhalb
des Stadtbetriebs hat ein Mensch wie Zs. Ruhe
genug und Dichtungsliebe, um ein Manuskript
rein auf sich wirken zu lassen.
– Ich selbst habe schon nach wenigen Seiten geahnt,
daß es sich um ein wunderschönes Werk handelt, in dem
Sie wieder den Klang Ihrer Jugendschriften (Lindeleid und
die Novelle) aufnehmen. Ich werde das Buch in Wien gleich
lesen ...
– Jetzt bin ich in einer halsbrecherischen Arbeit