Winder, Ludwig: Brief an Oskar Maurus Fontana. Prag, 21.3.1933
nach rechts ist auch hier rapid.Ein Beispiel:Ich forderte den Redakteur
des Prager Tagblatts Walter Seidl,der bisher immer sehr stark nach links
tendierte und eine Zeitlang als Kommunist galt,auf,die provisorische Ge-
schäftsführung zu übernehmen.Er lehnte ab,weil er,wie er mir sagte,nie-
mals etwas gegen die Berliner nationale Richtung mitmachen würde und
deshalb im jetzigen Augenblick nicht als Exponent des Linksvorstandes
auftreten könne.So stehen die Dinge.
Der Generalversammlung werden wir einen Vorschlag zur Wahl des neuen
Vorstandes unterbreiten,der nahezu unverändert wiedergewählt werden soll.
Es ist aber sehr fraglich,ob dieser Vorschlag(wie bis her immer)akzep-
tiert wird.Das hängt davon ab,ob diesmal die Provinz bei der General-
versammlung stark vertreten sein wird. Da ich verhüten will, daß die Linke frei-
willig ihre Position aufgibt, schiebe ich die Bestellung des prov. Geschäftsführers noch auf.
Am 29. wird eine Sitzung des Ausschusses stattfinden, in der entschieden wird, ob Dr.
Oberschall oder der links stehende Dr. Mannheimer die prov. Geschäftsführung über-
nimmt. Im Ausschuß sind folgende Mitglieder:
Rudolf Fuchs (links), Mannheimer (links), Seidl (siehe oben), Dr. Krasno-
polski (eher links), Sachsel-Lichtenstein (farblos) Prof Geesemann (rechts)
Oberschall (rechts) Abg. Peters (rechter Flügel der Demokraten, Haltung noch
unbestimmt), Hans Watzlik (rechts) und Leute aus der Provinz, die ich nicht
kenne und die nie nach Prag kamen. Und ich.
Ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie mit Sonka nach Prag kämen. Vorder-
hand verteidige ich unsre Stellung. Alles Weitere wird aber wohl von der General-
versammlung, bzw. vom neuen Obmann u. Geschäftsführer abhängen.
Herzliche Gruße von Haus zu Haus
Ihr Winder.