Sehr geehrter Herr Kola -
So sehr mir die Tatsache schmeichelt, daß Sie mich nur ungern
aus dem Verwaltungsrate scheiden sehen, so sehr bin ich andererseits
auch verbunden, meine Demission aufrechtzuerhalten und bitte Sie,
von einer Intervention bei der Regierung freundlichst abzusehen. Es
handelt sich hier um eine Incompatibilität höherer Art neben jener,
die durch die gewöhnlichen Gepflogenheiten begründet ist. Ich selbst habe
mir ja, wie Sie wissen, die Verwaltungsratstelle immer nur als eine
Unterstützung meines Gewichtes gedacht, wenn ich in Ihrem Unternehmen
auch sonst eine entscheidende Rolle gespielt hätte. Es kam nun
leider nicht rechtzeitig dazu, daß Sie mir eine solche eindeutig zuge-
teilt hätten. Wäre dies vorher geschehen, so hätte ich die Annahme
der Burgtheaterdirektion an die Bedingung knüpfen können, daß
ich meine Funktion bei Ihnen beibehalten dürfe. Da ich solche
in Ihrem Verlage jedoch zur Zeit meiner Berufung nicht hatte, konnte
ich auf sie nicht hinweisen, und jetzt steht die Sache so, daß man
mir nahegelegt hat, auch auf die Stellung eines literarischen Beirates
in Ihrem Verlage zu verzichten, es wäre denn, daß es sich um ein
Collegium handelte, indem nur allererste Namen gleichsam als Virilisten
versammelt wären, etwa der Ordinarius für Literatur an der Universität etc.
Da könnte dann wohl auch der Burgtheaterdirektor als solcher Mitglied
sein. Ich rate Ihnen aber selbst nicht, so eine Körperschaft in's Leben
zu rufen. Sie würde sehr praetentiös wirken und nur ein Hemmschuh
sein. Indessen, meine Burgtheaterdirektion wird nicht ewig währen,
und sollten Sie dann noch Interesse an meiner Mitarbeit haben, so sei es
Ihnen anheimgestellt, mich dieses dann wissen zu lassen. Mit meinen privaten
Ratschlägen stehe ich Ihnen jedoch jederzeit gerne zur Verfügung.
Ich verbleibe mit den besten Empfehlungen Ihr ganz ergebener
Anton Wildgans
Mödling, am 21. I. 21
So sehr mir die Tatsache schmeichelt, daß Sie mich nur ungern
aus dem Verwaltungsrate scheiden sehen, so sehr bin ich andererseits
auch verbunden, meine Demission aufrechtzuerhalten und bitte Sie,
von einer Intervention bei der Regierung freundlichst abzusehen. Es
handelt sich hier um eine Incompatibilität höherer Art neben jener,
die durch die gewöhnlichen Gepflogenheiten begründet ist. Ich selbst habe
mir ja, wie Sie wissen, die Verwaltungsratstelle immer nur als eine
Unterstützung meines Gewichtes gedacht, wenn ich in Ihrem Unternehmen
auch sonst eine entscheidende Rolle gespielt hätte. Es kam nun
leider nicht rechtzeitig dazu, daß Sie mir eine solche eindeutig zuge-
teilt hätten. Wäre dies vorher geschehen, so hätte ich die Annahme
der Burgtheaterdirektion an die Bedingung knüpfen können, daß
ich meine Funktion bei Ihnen beibehalten dürfe. Da ich solche
in Ihrem Verlage jedoch zur Zeit meiner Berufung nicht hatte, konnte
ich auf sie nicht hinweisen, und jetzt steht die Sache so, daß man
mir nahegelegt hat, auch auf die Stellung eines literarischen Beirates
in Ihrem Verlage zu verzichten, es wäre denn, daß es sich um ein
Collegium handelte, indem nur allererste Namen gleichsam als Virilisten
versammelt wären, etwa der Ordinarius für Literatur an der Universität etc.
Da könnte dann wohl auch der Burgtheaterdirektor als solcher Mitglied
sein. Ich rate Ihnen aber selbst nicht, so eine Körperschaft in's Leben
zu rufen. Sie würde sehr praetentiös wirken und nur ein Hemmschuh
sein. Indessen, meine Burgtheaterdirektion wird nicht ewig währen,
und sollten Sie dann noch Interesse an meiner Mitarbeit haben, so sei es
Ihnen anheimgestellt, mich dieses dann wissen zu lassen. Mit meinen privaten
Ratschlägen stehe ich Ihnen jedoch jederzeit gerne zur Verfügung.
Ich verbleibe mit den besten Empfehlungen Ihr ganz ergebener
Anton Wildgans
Mödling, am 21. I. 21