Mödling, am 24. Jänner 1930.-
[mit fremder Hand:] 25/1 25/1
Sehr verehrte Frau Gräfin!
Ich komme heute mit einer grossen Bitte zu Ihnen, die ich
freilich lieber persönlich vorgebracht hätte. Ich bin aber krank und
werde nicht so bald nach Wien fahren können, und so bin ich leider ge-
zwungen, den Weg der Schriftlichkeit zu betreten. Es handelt sich um
Folgendes: Ich arbeite jetzt an der endgültigen Redaktion meiner Dramen
für die Gesamtausgabe meiner Werke, die im Herbst erscheinen soll,und
bin mit meiner Arbeit eben bei "Liebe" angelangt. Ich möchte nun,
dass das Drama textlich in jener Gestalt weiterlebe, in der es von
Ihnen in so unvergesslicher Weise gespielt wurde. Nun habe ich aber
die Aenderungen, die ich damals in Ihrer Rolle,besonders am Ende des
zweiten Aktes, machte,und die so entscheidend für den Charakter der
Anna sind, leider nicht in mein Regiebuch eingetragen und möchte Sie
daher herzlichst bitten, mir Ihr Rollenbuch auf einige Zeit zu leihen,
damit ich die Aenderungen in den endgültigen Text des Dramas übertragen
kann. Es ist ja nicht zu befürchten, dass das Stück in den nächsten
Wochen gespielt werden könnte, und wenn, so genügt ein telefonischer
Anruf bei mir, und die Rolle ist einige Stunden später wieder in Ihrem
Besitze. Würden Sie also die grosse Güte haben mir das Buch als
Drucksache rekommandiert zu schicken, ich wäre Ihnen sehr sehr dank-
bar!
Indem ich Sie bitte,mich Ihrem Herrn Gemahl zu
empfehlen, verbleibe ich mit vielen herzlichen Grüssen und Handküssen
Ihr stetes ergebener
A Wildgans
[mit fremder Hand:] 25/1 25/1
Sehr verehrte Frau Gräfin!
Ich komme heute mit einer grossen Bitte zu Ihnen, die ich
freilich lieber persönlich vorgebracht hätte. Ich bin aber krank und
werde nicht so bald nach Wien fahren können, und so bin ich leider ge-
zwungen, den Weg der Schriftlichkeit zu betreten. Es handelt sich um
Folgendes: Ich arbeite jetzt an der endgültigen Redaktion meiner Dramen
für die Gesamtausgabe meiner Werke, die im Herbst erscheinen soll,und
bin mit meiner Arbeit eben bei "Liebe" angelangt. Ich möchte nun,
dass das Drama textlich in jener Gestalt weiterlebe, in der es von
Ihnen in so unvergesslicher Weise gespielt wurde. Nun habe ich aber
die Aenderungen, die ich damals in Ihrer Rolle,besonders am Ende des
zweiten Aktes, machte,und die so entscheidend für den Charakter der
Anna sind, leider nicht in mein Regiebuch eingetragen und möchte Sie
daher herzlichst bitten, mir Ihr Rollenbuch auf einige Zeit zu leihen,
damit ich die Aenderungen in den endgültigen Text des Dramas übertragen
kann. Es ist ja nicht zu befürchten, dass das Stück in den nächsten
Wochen gespielt werden könnte, und wenn, so genügt ein telefonischer
Anruf bei mir, und die Rolle ist einige Stunden später wieder in Ihrem
Besitze. Würden Sie also die grosse Güte haben mir das Buch als
Drucksache rekommandiert zu schicken, ich wäre Ihnen sehr sehr dank-
bar!
Indem ich Sie bitte,mich Ihrem Herrn Gemahl zu
empfehlen, verbleibe ich mit vielen herzlichen Grüssen und Handküssen
Ihr stetes ergebener
A Wildgans