Wildgans, Anton: Brief an Felix Braun. o.O., 17.2.1925
17. II. 25.
Lieber Felix Braun!
Für Ihre lieben Zeilen danke ich Ihnen herz=
lichst und versichere Sie, daß ich wohl nie=
mandem lieber als Ihnen von meiner Kind=
heit u. all dem anderen erzählt und gebeichtet
hätte, was in meinem Briefe stand. Ich
bedauere nur aufrichtig, daß es Ihnen mit
den Nerven so übel ergeht. Was ist denn
da los? Überarbeitung? Oder ungesundes
Leben? Freilich, wir leben alle ungesund,
treten die Natur mit Füßen und wun=
dern uns dann, wenn sie eines Tages an
uns Rache nimmt. Aber dem abzuhelfen,
ist es fast nie zu spät. Die Natur ist immer
noch die versöhnlichste Zürnerin.
Ich bin nun sehr begierig, wie Sie das
Nachwort "aufgefüllt haben" und wie Sie
Baudelaire an die ihm gebührende Stelle
in meiner Entwicklung gesetzt haben.
Darüber werden mir die ersten Exemplare
des wohl bald fertiggestellten Bändchens
Aufschluss geben u. ich zweifle nicht, daß
ich an Ihrem Nachworte dann noch mehr
Freude haben werde als bisher. Seien Sie
indessen vielmals bedankt u. gegrüßt von
Ihrem herzlich ergebenen
AWildgans