Wildgans, Anton: Brief an Else Wohlgemuth. Mödling, 28.3.1927
ich nicht groteske Möglichkeiten in's Auge fasse.
Wie viel Ihnen, verehrte Frau Gräfin, daran
liegt, die Rolle allein in Händen zu haben, weiß
ich freilich nicht. Ein rechtliches Mittel, die
Umbesetzung zu verhindern, steht mir als Autor
leider nicht zu, ich kann nur mein moralisches
Veto, gestützt auf künstlerische Erwägungen, einlegen.
Ein solches würde jedoch in den Wind gesprochen
sein, wenn das Stück seine Zugkraft bis Ostern
sich erhielte. Die einzige Chance, daß das Stück
nicht umbesetzt wird, scheint mir nur die zu sein,
daß speciell Herr Buschbeck samt seinem Anhang
im Caffee Herrenhof kein Freund von mir und
meinen Stücken ist und es nicht ungern sehen
würde, wenn die Zugkraft der „Liebe“ durch Ihren
Urlaub gänzlich demoliert würde. Denn dann,
in der zweiten Hälfte Mai, wenn Sie wieder zurück=
wären, würde natürlich auch „Liebe“ nicht mehr
ziehen, weil es in der schönen warmen Jahreszeit
überhaupt keine Zugstücke von dichterischem
Charakter gibt. Und dann könnte man das Stück