Wildgans, Anton: Brief an Franz Karl Ginzkey. Graz, 8.4.1930
Lieber und verehrter Freund!
Sosehr ich Deine Gesinnung ehre, so finde ich doch, daß
Du Dich etwas allzurasch entschlossen hast, das Märchen
dem Dr Beer zu überlassen. Wenn ich das Freund=
schaftsmoment in den Vordergrund treten ließ, so bezog
sich das selbstverständlich nur auf die Bereitwilligkeit,
eine von Dir empfohlene Sache sofort zu prüfen, nicht
auf die Gefügigkeit, sie auch tatsächlich zu bringen.
In dieser Beziehung darf es wohl für mich keine Freund=
schaft geben, so schmerzlich dies auch bisweilen ist.
So im Falle meines lieben, armen Klitsch! Da ent=
scheiden nur sachliche Momente u. Notwendigkeiten u.
vor allem die für Neuengagements spärlich bereitstehenden
Mittel. Dem Burgtheater fehlt es an allen Ecken und
Enden, aber leider (aus namentlichen Gründen leider) gerade
dort nicht, wo Klitsch hinzustellen wäre. Weder für die
verwaisten Sonnenthal u. Baumeisterrollen, noch für jene
Mitterwurzers kommt er so eindeutig in Betracht,
daß das Engagement im gegenwärtigen Augenblicke
zu rechtfertigen und – auch darauf kommt es an! –
auch durchzusetzen wäre. Mit persönlichen Treibereien
anderer hat das nichts zu tun. Ich würde K.