Lieber und hochverehrter Freund u. Herr!
Seien Sie tausendmal bedankt für die so gütige Zusendung des
Feuilletons. Sie haben recht: gut gemeint ist es. Ein wahrhaftes inneres
Verhältnis zu meiner Art hat der Herr Kritiker freilich nicht. Das
Ganze ist vielmehr ein beziehungslos - unwillig - einräumendes
Gerade geltenlassen: „Mit diesem Kerl muß man sich halt abfinden!
Was kann man dagegen machen, daß er sich durchgesetzt hat?“
Das ungefähr ist der innere Unterton. Daher auch des gierige
Schnappen nach meiner angeblichen Achillesferse d. h. nach
meiner dramatischen Tätigkeit. Ein Lyriker ist ja schließlich un=
schädlich, aber daß einem der Theatermarkt verdorben wird, daß so
eine „Armut“, so ein „undramatischer“ „lyrischer“ Dilettantismus
über 100 deutsche Bühnen geht - von den Serienaufführungen des
„Liebe“ erst gar nicht zu reden - das wächst so einem
selbst in Theatralibus machenden Burschen über die Hutschnur.
Doch ich bin längst mir selber angetraut.
Lausche beglückt der Lerchen lichtem Laut
Und bin für jene jenseits aller Grenzen!
Nennen Sie's bitte nicht wieder den olympischen Faltenwurf. Es
ist nur Notwehr, um im Gleichgewicht zu bleiben und Lob und
Tadel, wenn er von solcher Seite kommt, kaltblütig in den Wind
blasen zu können. Bei aller Wohlmeinung - was im Grunde für
ein müßiges Geschwätz! Neun Spalten lang und kaum hier und
dort der Ansatz eines Gedankens, eines wahrhaft kritischen
Urteils. Ich habe gelacht, herzlich gelacht - über den Raufbold!
Ob ich so aussehe, weiß ich nicht. Nach Bildern von Mädchenhand
darf man schließlich die Physiognomie nicht beurteilen.
Aber im Grunde hat es der Herr getroffen. Hätte nicht der liebe Gott dafür
gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen, hätte
er dem Riesen nicht tönerne Füße gegeben, bei seinem heiligen
Namen! ich wäre der Raufbold, dem ich angeblich ähnlich sehe.
Ich würde dann wahrscheinlich kein Gedicht gemacht haben,
(oder mindestens andere) würde wahrscheinlich bereits in einer Doline
der Isonzofront mein Gebein zur Bleiche hingelegt haben, hätte
Seien Sie tausendmal bedankt für die so gütige Zusendung des
Feuilletons. Sie haben recht: gut gemeint ist es. Ein wahrhaftes inneres
Verhältnis zu meiner Art hat der Herr Kritiker freilich nicht. Das
Ganze ist vielmehr ein beziehungslos - unwillig - einräumendes
Gerade geltenlassen: „Mit diesem Kerl muß man sich halt abfinden!
Was kann man dagegen machen, daß er sich durchgesetzt hat?“
Das ungefähr ist der innere Unterton. Daher auch des gierige
Schnappen nach meiner angeblichen Achillesferse d. h. nach
meiner dramatischen Tätigkeit. Ein Lyriker ist ja schließlich un=
schädlich, aber daß einem der Theatermarkt verdorben wird, daß so
eine „Armut“, so ein „undramatischer“ „lyrischer“ Dilettantismus
über 100 deutsche Bühnen geht - von den Serienaufführungen des
„Liebe“ erst gar nicht zu reden - das wächst so einem
selbst in Theatralibus machenden Burschen über die Hutschnur.
Doch ich bin längst mir selber angetraut.
Lausche beglückt der Lerchen lichtem Laut
Und bin für jene jenseits aller Grenzen!
Nennen Sie's bitte nicht wieder den olympischen Faltenwurf. Es
ist nur Notwehr, um im Gleichgewicht zu bleiben und Lob und
Tadel, wenn er von solcher Seite kommt, kaltblütig in den Wind
blasen zu können. Bei aller Wohlmeinung - was im Grunde für
ein müßiges Geschwätz! Neun Spalten lang und kaum hier und
dort der Ansatz eines Gedankens, eines wahrhaft kritischen
Urteils. Ich habe gelacht, herzlich gelacht - über den Raufbold!
Ob ich so aussehe, weiß ich nicht. Nach Bildern von Mädchenhand
darf man schließlich die Physiognomie nicht beurteilen.
Aber im Grunde hat es der Herr getroffen. Hätte nicht der liebe Gott dafür
gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen, hätte
er dem Riesen nicht tönerne Füße gegeben, bei seinem heiligen
Namen! ich wäre der Raufbold, dem ich angeblich ähnlich sehe.
Ich würde dann wahrscheinlich kein Gedicht gemacht haben,
(oder mindestens andere) würde wahrscheinlich bereits in einer Doline
der Isonzofront mein Gebein zur Bleiche hingelegt haben, hätte