Mödling, am 28. Jänner 1930.-
Sehr geehrter Herr Hofrat!
Empfangen Sie, bitte, meinen verbindlichsten Dank für Ihr
so ausführliches und inhaltsreiches Schreiben, das mir für den
Studienfortgang meines Sohne einen neuen Weg weist. Ich möchte den
einschlagen, den Sie mir als zweiten genannt haben, indem ich also
meinen Sohn zunächst und zwar noch im Laufe dieses Kalenderjahres,
die Vorprüfungen aus Geschichte ( Geographie ist keine mehr,)
Naturgeschichte, philisophischer Propädeutik, Physik und Religion
an einer siebenklassigen Realschule ablegen lasse,um dann im Herbst
um die Giltigkeit dieser Prüfungen für die Reformreal-Gymnasium -
Matura anzusuchen und ihm diese vor dem Sommer 1931 ablegen zu
lassen. Ich erbitte nun mein erstes Gesuch zurück, um es entsprechend
umzuschreiben.
Ob das Ganze überhaupt praktisch aktuell werden wird,
ist eine andere Frage. Es haben sich nämlich leider im Zusammenhange
mit der Entwicklungskrise bei meinem Sohne so merkwürdige und beängstigen-
de Erscheinungen eingestellt, dass ich schon vor Weihnachten gezwungen
war, ihn in Behandlung eines Psychoanalythikers zu geben. Und dieser
hat neben, wie er sich ausdrückt, genialen Zügen,auch solche von ernsten
psychopathischem Charakter bei ihm vorgefunden, die er nun durch eine
fortgesetzte Behandlung wieder in Ordnung zu bringen trachtet. An
diesem, musikalisch hochbegabten,jungen Menschen ist am Mödlinger
Gymnasium in furchtbarer Weise gesündigt worden. Der Arzt rät nun,
auf ihn in der Richtung des Gymnasialstudiums unter keinen Umständen
Sehr geehrter Herr Hofrat!
Empfangen Sie, bitte, meinen verbindlichsten Dank für Ihr
so ausführliches und inhaltsreiches Schreiben, das mir für den
Studienfortgang meines Sohne einen neuen Weg weist. Ich möchte den
einschlagen, den Sie mir als zweiten genannt haben, indem ich also
meinen Sohn zunächst und zwar noch im Laufe dieses Kalenderjahres,
die Vorprüfungen aus Geschichte ( Geographie ist keine mehr,)
Naturgeschichte, philisophischer Propädeutik, Physik und Religion
an einer siebenklassigen Realschule ablegen lasse,um dann im Herbst
um die Giltigkeit dieser Prüfungen für die Reformreal-Gymnasium -
Matura anzusuchen und ihm diese vor dem Sommer 1931 ablegen zu
lassen. Ich erbitte nun mein erstes Gesuch zurück, um es entsprechend
umzuschreiben.
Ob das Ganze überhaupt praktisch aktuell werden wird,
ist eine andere Frage. Es haben sich nämlich leider im Zusammenhange
mit der Entwicklungskrise bei meinem Sohne so merkwürdige und beängstigen-
de Erscheinungen eingestellt, dass ich schon vor Weihnachten gezwungen
war, ihn in Behandlung eines Psychoanalythikers zu geben. Und dieser
hat neben, wie er sich ausdrückt, genialen Zügen,auch solche von ernsten
psychopathischem Charakter bei ihm vorgefunden, die er nun durch eine
fortgesetzte Behandlung wieder in Ordnung zu bringen trachtet. An
diesem, musikalisch hochbegabten,jungen Menschen ist am Mödlinger
Gymnasium in furchtbarer Weise gesündigt worden. Der Arzt rät nun,
auf ihn in der Richtung des Gymnasialstudiums unter keinen Umständen