Mein hochgeehrter Herr Doktor!
Den Raufbold, wahrhaftig, den haben Sie mir „ahnungslos“ angedichtet!
Ich bin in der Tat das Gegenteil davon, wenn auch in mir eine Leidenschaft,
alles Niederträchtige in meinem Bereiche zu verhindern, schlummert. Um
ihren Versuchungen zu entgehen, um mich nicht durch tausenderlei Einmischungen
zu zersplittern, um in der Abwehr des Miserablen nicht selber miserabel zu werden
und meine Zeit nicht zu vergeuden, habe ich mich frühzeitig aus dem Hyänen=
käfig der Menschheit zurückgezogen und meine guten und besseren Instinkte ge=
pflegt. Die wahre Güte, das weiß ich, ist es nicht, die vielfach nur deshalb am Ruder
sein darf, weil der böse Steuermann schläft, aber immerhin, dafür ist man ja ein
Mensch, daß man die Rollen der Komödie in der eigenen Brust bis zu einem gewissen
Grade verteilen darf.
Und nun?
Sie sagen, ein Mann wie ich mache sich das Glück und habe es darum. So allgemein
lasse ich's nicht gelten, wenigstens nicht in Bezug auf mich. Ich bin, der ich bin,
habe mich erkannt und habe von mir ferngehalten, was mich so machen könnte, wie
ich nicht sein möchte oder was aus mir etwas machen könnte, was ich nicht bin –
das stimmte eher. Und jetzt bin ich eben auf dem Punkte, wo so viel Fremdes, mir
Uneigentliches auf mich einstürmen wird, mein Eigentliches zu verschütten. Das ist
auch das Ende dessen, was ich mein Glück nennen durfte.
Mitten in Arbeiten, die für die nächsten 10 Jahre bereits eingeteilt waren, hat es mich
getroffen und aus dem mühsam erkämpften Gleichgewicht meines Daseins herausgerissen.
Und das Schicksal hat sich die Lindenblattstelle meines Wesens ausgesucht für seinen
Angriff: Ich bin Oesterreicher, durch und durch, mit dem Stolz und der heimlichen
Scham dieser Menschenspecies, mit mancher ihrer Tugenden und mit vielen ihrer
Fehler. Man zeigte mir eine Bresche, in die sich einer werfen müsse, einer vom alten
Schlage, der noch die Treue im Blut habe, die Leidenschaft, sich für die Idee dieses
geliebten Begriffes Oesterreich hinzugeben, und so gab ich mich eben hin und warf mich
in die Bresche – in einer Zeit, wo ich das Gefühl habe, daß alle antreten müssen, die
aufgerufen werden.
Daß ich anders vielleicht besser dienen könnte, habe ich den Maßgebenden gegenüber
tausendmal betont, habe alle die andern vorgeschlagen, die an dieser Stelle glücklicher
wären als ich, aber es fruchtete nichts, es antwortete immer nur dasselbe grausam-
freundliche Lächeln: Du musst es sein, den wir uns braten wollen!
Ja, gebraten soll ich werden, zerteilt in Bissen, gekaut und wieder ausgespuckt!
Der momentane Hunger will an mir gestillt werden. Die Bestie dieser Zeit consu=
miert gerne und rasch Gehirne von Menschen, will immer frische Opfer und greift zu,
wo sie noch Unverbrauchtes findet.
Den Raufbold, wahrhaftig, den haben Sie mir „ahnungslos“ angedichtet!
Ich bin in der Tat das Gegenteil davon, wenn auch in mir eine Leidenschaft,
alles Niederträchtige in meinem Bereiche zu verhindern, schlummert. Um
ihren Versuchungen zu entgehen, um mich nicht durch tausenderlei Einmischungen
zu zersplittern, um in der Abwehr des Miserablen nicht selber miserabel zu werden
und meine Zeit nicht zu vergeuden, habe ich mich frühzeitig aus dem Hyänen=
käfig der Menschheit zurückgezogen und meine guten und besseren Instinkte ge=
pflegt. Die wahre Güte, das weiß ich, ist es nicht, die vielfach nur deshalb am Ruder
sein darf, weil der böse Steuermann schläft, aber immerhin, dafür ist man ja ein
Mensch, daß man die Rollen der Komödie in der eigenen Brust bis zu einem gewissen
Grade verteilen darf.
Und nun?
Sie sagen, ein Mann wie ich mache sich das Glück und habe es darum. So allgemein
lasse ich's nicht gelten, wenigstens nicht in Bezug auf mich. Ich bin, der ich bin,
habe mich erkannt und habe von mir ferngehalten, was mich so machen könnte, wie
ich nicht sein möchte oder was aus mir etwas machen könnte, was ich nicht bin –
das stimmte eher. Und jetzt bin ich eben auf dem Punkte, wo so viel Fremdes, mir
Uneigentliches auf mich einstürmen wird, mein Eigentliches zu verschütten. Das ist
auch das Ende dessen, was ich mein Glück nennen durfte.
Mitten in Arbeiten, die für die nächsten 10 Jahre bereits eingeteilt waren, hat es mich
getroffen und aus dem mühsam erkämpften Gleichgewicht meines Daseins herausgerissen.
Und das Schicksal hat sich die Lindenblattstelle meines Wesens ausgesucht für seinen
Angriff: Ich bin Oesterreicher, durch und durch, mit dem Stolz und der heimlichen
Scham dieser Menschenspecies, mit mancher ihrer Tugenden und mit vielen ihrer
Fehler. Man zeigte mir eine Bresche, in die sich einer werfen müsse, einer vom alten
Schlage, der noch die Treue im Blut habe, die Leidenschaft, sich für die Idee dieses
geliebten Begriffes Oesterreich hinzugeben, und so gab ich mich eben hin und warf mich
in die Bresche – in einer Zeit, wo ich das Gefühl habe, daß alle antreten müssen, die
aufgerufen werden.
Daß ich anders vielleicht besser dienen könnte, habe ich den Maßgebenden gegenüber
tausendmal betont, habe alle die andern vorgeschlagen, die an dieser Stelle glücklicher
wären als ich, aber es fruchtete nichts, es antwortete immer nur dasselbe grausam-
freundliche Lächeln: Du musst es sein, den wir uns braten wollen!
Ja, gebraten soll ich werden, zerteilt in Bissen, gekaut und wieder ausgespuckt!
Der momentane Hunger will an mir gestillt werden. Die Bestie dieser Zeit consu=
miert gerne und rasch Gehirne von Menschen, will immer frische Opfer und greift zu,
wo sie noch Unverbrauchtes findet.