Zweig, Stefan: Brief an Christiane Thun-Salm. Salzburg, 8.8.1921
SZ
Salzburg, Kapuzinerberg 5
8. August 1921
Wie unherzlich, wie unmenschlich,
wie hochmütig muss es Ihnen erschienen
sein, dass ich Ihnen nicht sofort für Ihren
liebenswürdigen Brief und den leiden-
schaftlich - schönen Aufsatz Ihres Sohnes
dankte! Aber ich war in Böhmen und
Weimar für 12 Tage und nun soll es
mein Erstes sein, das Versäumte nachzu-
holen.
In wie hohem Mass sind Sie,
verehrte gnädige Frau, zu beglück-
wünschen zu Ihrem Sohne, dass er
sich in dieser glaubenslosen Zeit eine
so reine Gläubigkeit gewahrt hat. Nicht
weil sich sein Enthusiasmus einem
Buche von mir zuwendete, freue ich
mich so sehr, sondern weil ich den En-