Zweig, Stefan: Postkarte an Franz Karl Ginzkey. Salzburg, 12.1.1920
Lieber verehrter Freund, ich sprach
heute Verus Semper, der mir sagte
er würde Ihnen im Falle Ihres Kommens
seine Wohnung für einige Zeit über-
lassen, was ein unerhörter Glücksfall
wäre. Ich glaube, Sie können es,
falls die Herren (was ich für aller
nächste Zeit hoffe) an Sie herantreten,
ruhig wagen: die Stellung gibt fast
gar nichts zu tun, lässt Sie einen
freien Menschen sein und es werden
sich ihr gewiss selbsttätig einige an-
dere angliedern. Haben Sie doch Ver-
trauen, besser als in Wien, wo Alles
einzig den Schiebern zufällt, wird
es Ihnen hier gewiss gehen, Ihre liebe
Frau würde sich hier zweifellos wohl
fühlen und Sie sind hier dem Deut
schen Reiche doch näher. Sie hören