Zweig, Stefan: Brief an Unbekannt. Salzburg, 16.7.1920
Salzburg, am 16. Juli 1920
Sehr geehrter Herr!
Vielen Dank für Ihre Mitteilungen die mir unge-
mein interessant waren. Was den Auswahlband von Peguy
betrifft, so fürchte ich, werden Sie da kein Glück ha-
ben, denn die Gruppe und Peguy ist extrem nationali-
stisch und Rolland persönlich ihr ganz entfremdet.
Ich werde aber auf Umwegen aus Paris zu erfahren trach-
ten wer dort intervenieren könnte und Ihnen dann so-
fort nähere Mitteilung machen. Auch bei den beiden Bü-
chern Rollands kommen Sie zu spät, sie sind längst
vom Verlage Rütten & Loening erworben. Dagegen würde
ich Ihnen sehr raten für die Verlagsbibliothek die
ausserordentlichen Gedichte und Prosaschriften von
Jouve und Martinet zu erwerben, für die eine autori-
sierte Uebersetzung Herr Felix Beran in Zürich, Kasino-
strasse 28, verfasst hat. Ich bin überzeugt, dass wenn
Sie sich in meinem Namen an ihn wenden, er sie ihnen
sofort überlassen wird. Sie sind das stärkste was die
französische Dichtung in unserem Sinn gegeben hat und
würden bei uns von grösster Wirkung sein.
Die Erlaubnis meinen "Polyphem" aufzunehmen, gebe