Zweig, Stefan: Brief an Franz Karl Ginzkey. o.O., 1915
DONAULAND
ILLUSTRIERTE MONATSCHRIFT
VERLAG: JOSEF ROLLER & CO., WIEN - TELEPHON 4617
SCHRIFTLEITUNG: Wien, VI., CAPISTRANG. 3 - TELEPH. 3549
VERWALTUNG UND VERSANDSTELLE: WIEN, III., SEIDLGASSE Nr. 8 - TELEPHON Nr. 802
WIEN, den .....191 ...
Lieber verehrter Freund, ich fand bei flüchtiger Durchsicht
das Werk nicht. Näher nachzusehen erlaubte ich mir
nicht, um keine Unordnung zu machen. Dagegen las ich
- um eventuelle Richtlinien zu haben - beiliegende
läppische Karte von Salus, der Mann ist wirklich nur mehr
eine Caricatur seiner selbst.
Wir freuen uns sehr auf Ihren Abend und Ihre Genesung.
Tausend Gedichte erwarten Sie mit Uns. Sonst geht es
hier melancholisch zu: Polgar muss einrücken und ist
schon abgegangen (bitte darüber auf seinen Wunsch zu
niemanden sprechen), ausserdem neue Erlässe, Einhaltung
der Dienststunden, Vermehrung der Inspection und Einkehr
Müllers & Bartschens betreffend. Wirklich, es wird allmählich
peinlich hier. Herzlichst Ihr getreuer
Stefan Zweig
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