Zweig, Stefan: Postkarte an Franz Servaes. o.O., 23.2.1914
Lieber Herr Doktor, ich freute mich
sehr am Sötzl. Endlich ein gewichtiges
Wort! Und heute im „Tag“ ebenfalls Zu-
stimmung - bei der wievielten
Auflage, muss ich fragen, hält das
Buch? Ihr Verleger hat einen guten
Griff getan: sorgen Sie übrigens da-
für dass ein Exemplar an Bädeker
gesandt wird: wie ich höre, ist die
Nennung dort von hohem Wert für
den Absatz. Dank für Ihr Prater-Feuille
ton, das so gut zeigt, wie sehr Sie
auch ein im Umfang zehnfach
stärkeres Buch über Wien hätten be
leben können, denn solcher Stimmungen
sind Sie wirklich Meister.
Werde ich Sie noch besuchen können?
Ich hoffe. Mir ist in den letzten Wochen
aus privaten Ursachen so bös zu Mut
gewesen, dass meine Zeit einfach unter
den Tisch fiel, unbenützt und wertlos.
Gar nichts geschrieben, nicht eine Zeile