Zweig, Stefan: Brief an Alfons Petzold. Salzburg, 6.5.1920
SZ
VIII. KOCHGASSE 8
WIEN,
SALZBURG
KAPUZINERBERG 5. am 6. Mai 1920
Lieber Freund!
Sei mir nicht böse, wenn ich heute die Ankunft
Deines neues Buches eigentlich nur bestätige, statt
mich dafür zu bedanken. Ich komme im Monat Mai mit
bestem und aufrichtigstem Willen nicht dazu einen
vernünftigen persönlichen Brief zu schreiben, weil
ich mit einer grösseren Arbeit beschäftigt bin die un
bedingt noch fertig werden muss und auch sonst reich
lich versehen bin. Das will nun nicht sagen, dass ich
nicht dazu komme die Gedichte zu lesen, ein oder zwei
die ich zufällig aufschlug, wie „Auf den Tod meines
Grauen Papageien“ und „Winternacht“ scheint mir zu den
allerstärksten zu gehören was Du geschrieben hast,
aber in dieser zufälligen und eilfertigen Weise möch
te ich meinen Eindruck nicht zusammenfassen und bitte
diese Zeilen nur als eine Bestätigung des richtigen
Eintreffens zu betrachten. Hoffentlich zeigst Du Dich
hier bald wieder und ich brauche Dir nicht zu sagen,
dass wir uns alle darauf herzlich freuen.
Dein aufrichtig ergebener
Stefan