Salzburg, Kapuzinerberg 5
15. August 1919
Lieber Freund,
ich schreibe Ihnen ganz offen und gerade aus. Mein Eindruck ist der
als hätte der Avalunverlag die Lust verloren,mein Buch herauszbringen,
denn er verzögert nun den Druck schon seit 5 Monaten und nimmt der Novelle
viel von ihrer lebendigen Wirkung. Ich kann ja die Gründe nachfühlen,denn
die Luxussteuer auf nummerirte Exemplare wird in Deutschland ja jetzt wir=
klich den schönen Büchern zusetzen,andererseits ist es eben die Schuld des
Avalunverlag,dass er nicht schon längst,im guten Augenblick das Werk heraus=
brachte. Nun glaube ich dass Klarheit eine schöne Sache ist und deshalb sa=
ge ich Ihnen,dass,wenn der Avalunverlag die Schneid verloren hat,wir die
Sache noch immer in Frieden und Freundschaft ordnen könnten.Ich würde die
Holzstöcke jeden Augenblick für mich selbst zu dem seinerzeit vom Ver =
lag erlegten Preise zurückkaufen und wir lösten in al=
ler Stille,ohne dass irgend ein Teil geschädigt worden wäre,die Vereinbarung
wieder auf.Denn wenn das Buch nicht bald erscheint haben wir beide Schaden
davon und das moechte ich für beide Teile vermieden wissen. Vielleicht
sprechen Sie mit den Herrn darueber, ich grüsse Sie inzwischen herzlich
als
Ihr
getreuer
Stefan Zweig
[handschriftlich:]
Hier in Salzburg ist jetzt die ganze Literatur, Reinhardt, Hofmansthal,
Salten, Auernheimer, Beer-Hofmann: ich habe mich in mein Haus
eingeschlossen und bleibe unentwegt daheim, dort vom Berge auf die Stadt
herabschauend
15. August 1919
Lieber Freund,
ich schreibe Ihnen ganz offen und gerade aus. Mein Eindruck ist der
als hätte der Avalunverlag die Lust verloren,mein Buch herauszbringen,
denn er verzögert nun den Druck schon seit 5 Monaten und nimmt der Novelle
viel von ihrer lebendigen Wirkung. Ich kann ja die Gründe nachfühlen,denn
die Luxussteuer auf nummerirte Exemplare wird in Deutschland ja jetzt wir=
klich den schönen Büchern zusetzen,andererseits ist es eben die Schuld des
Avalunverlag,dass er nicht schon längst,im guten Augenblick das Werk heraus=
brachte. Nun glaube ich dass Klarheit eine schöne Sache ist und deshalb sa=
ge ich Ihnen,dass,wenn der Avalunverlag die Schneid verloren hat,wir die
Sache noch immer in Frieden und Freundschaft ordnen könnten.Ich würde die
Holzstöcke jeden Augenblick für mich selbst zu dem seinerzeit vom Ver =
lag erlegten Preise zurückkaufen und wir lösten in al=
ler Stille,ohne dass irgend ein Teil geschädigt worden wäre,die Vereinbarung
wieder auf.Denn wenn das Buch nicht bald erscheint haben wir beide Schaden
davon und das moechte ich für beide Teile vermieden wissen. Vielleicht
sprechen Sie mit den Herrn darueber, ich grüsse Sie inzwischen herzlich
als
Ihr
getreuer
Stefan Zweig
[handschriftlich:]
Hier in Salzburg ist jetzt die ganze Literatur, Reinhardt, Hofmansthal,
Salten, Auernheimer, Beer-Hofmann: ich habe mich in mein Haus
eingeschlossen und bleibe unentwegt daheim, dort vom Berge auf die Stadt
herabschauend