Roessler, Arthur: Brief an Fritz und Else Hegenbart. Wien, 12.9.1920
Wien, XIX/I, Billrothstrasse 6
12.IX.20.
Liebe Freunde,
enttäuscht, wie ich selber bin, muß ich
auch Euch enttäuschen! Ich kann nämlich nicht nach
Salzburg fahren! Mein Arzt würde es nicht gern
sehen, da ich mich noch immer nicht ganz wohl
fühle. Zu alledem befinde ich mich in der unange-
nehmen Behandlung des Zahnarztes, der keine
Unterbrechung gestatten will. Es hat sich demnach
sozusagen alles wider die Ausführung des Reise-
planes verschworen. Und doch hätte ich Euch so
überaus gerne wieder gesehen! Euch, liebe Menschen,
u. Ihre neuen Zeichnungen, lieber Freund, die Brüll
sehr bewunderte in Ihrem Münchner Atelier, und
von welchen Sie, wie B. mir sagte, eine Anzahl
nach S. mitnehmen wollten.
Wie wär's aber, wenn Sie Beide für
einige Tage hierher kämen? – Während all der Jahre
waren Sie, lieber Freund, ein einziges Mal hier, Ihre
Frau aber noch nie! Zeigen sollten Sie der Frau Else
das Babel an der Donau doch einmal, damit
sie kennen lernen kann, was Sie verwerfen! –
Die Kosten würden sich hereinbringen lassen durch
den Verkauf von Zeichnungen u. durch Abschluß
eines Vertrags mit „Avalun“. Was halten Sie
davon?