Hohlbaum, Robert: Brief an Wilhelm Kienzl. Wien, 17.5.1928
DR. ROBERT HOHLBAUM
WIEN, IV. GOLDEGGASSE 1 II
TEL. 51-9-01
WIEN, 17. Mai 1928.
Hochverehrter Herr Doktor!
Eben lese ich von dem schweren Verlust, der Sie
getroffen. Es drängt mich, Sie meines tiefsten
Mitgefühls zu versichern. Wir wissen ja alle,
wie innig Sie Ihrem Bruder, der Ihnen weit
mehr als leiblicher Bruder war, verbunden gewesen
sind!
Welch feiner Künstler, welch ehrlicher geistvoller
Förderer, welch ein Kritiker im edelsten Sinn ist
mit ihm gegangen! Ich selbst zähle zu Jenen,
denen er mit seinem schönen Temperament,
mit seiner Güte, die in Versprechungen die künftige
Tat ahnte und vorweg mit aufmunterndem Lob
bedachte, die ersten Wege ebnete, und es schmerzt
mich, daß ich ihm nicht noch einmal dafür danken
konnte!
Wir deutschfühlende Österreicher empfinden heute auch