Hohlbaum, Robert: Brief an Franz von Ginzkey. Wien, 24.1.1929
DR. ROBERT HOHLBAUM
WIEN, IV. GOLDEGGASSE 1 II
TEL. 51-9-01
WIEN, 24. Jänner 1929.
Mein lieber Franz!
Mein „Auffenberg“ ist nun fertig, und ich will Dich natürlich
nicht mit der Bitte belästigen, ihn zu lesen, weil Du ja Ge=
scheiteres zu tun hast und ich Deine berechtigte Abneigung gegen
Schreibmaschin-Manuskripte kenne. Für eines wäre ich Dir
jedoch sehr dankbar: Ich möchte es gerne Klitsch schicken, da
er der einzige österreichische Künstler ist, den ich mir in
der Rolle denken kann. Hättest Du die Güte, die Sendung
bei ihm anzukündigen? Er hält scheinbar nicht viel von
mir - als Lyriker, meine Prosa kennt er ja nicht - und
da wäre es gut, wenn Du das Vorurteil zerstreuen würdest,
was Du ja in Bezug auf den ersten Akt vielleicht nicht
mit schlechtem Gewissen tun kannst. Ich wäre Dir sehr dankbar!
Zum Zweiten, eine Idee, die nahezu an Größenwahn grenzt,
da ich ja nicht Siegfried Trebitsch heiße. Aber da ich ja
in dem A.-Stück so ein guter Jud geworden bin,
drängt sich mir doch die Idee auf, ob es möglich wäre, das
Drama in der „Presse“ zu veröffentlichen. Wüßtest Du da
einen Weg? Es ist ein bischen viel auf einmal, was
ich Dir da zumute, aber es geht schon in einem Auf=
waschen und Dein Fluch trifft mich nur einmal!
Eben schreibt mir Zittau (Frau Prof. Stöbe), daß sie
im Prinzip natürlich sehr gerne Dich für einen Vortrag
gewinnen möchten, da Du in der Stadt eine sehr