Hohlbaum, Robert: Brief an Franz von Ginzkey. Wien, 21.6.1929
DR. ROBERT HOHLBAUM
WIEN, IV. GOLDEGGASSE 1 II
TEL. 51-9-01
WIEN, 21. Juni 1929.
Mein lieber Franz!
Eine Bitte: Ich erwäge eben die Möglichkeit,
meinen Wiener Musikroman, an dem ich jetzt
arbeite, eventuell der Presse anzubieten. Könntest
Du mir mitteilen, was ungefähr Deiner Schätzung
nach sie mir zahlen würde, damit ich mir einen
Überschlag machen kann? Und wie lang sie zur Entschei=
dung bräuchte? Auf lange Sicht kann man sich da wohl
nicht einlassen, da man sonst riskiert, die Zeit zu
versäumen und leer auszugehen, wenn sie zu lange hinhält.
Ich möchte die Bedingung stellen, daß die Entscheidung
in 14 Tagen erfolgt, dann brauchen sie ja ohnedies
3 Wochen.
Sei nicht böse wegen der Behelligung!
Noch eins: bei mir kommt ein völlig unparteiisch,
nur etwas humoristisch gesehener Jud, ein Concert=
agent vor. Wird das in den hiesigen Hallen als
Tempelschändung angesehen werden oder nicht?
Herzlichste Grüße von uns an Euch und Handkuß
an Stephi!
Dein
Robert.