Grillparzer, Franz: Brief an Katharina Fröhlich. 3.10.1843

JN 80042

Syra am 3 Oktober 843 Liebe Katt: 2 Ich schreibe diese Zeilen aus der Quarantaine zu Syra, wo wir bele hätte ich gesagt- glücklich, angekommen sind. Mein letzter Brief war von Kustentsche, unmittelber vor unserer Einschiffung nach Konstantimpel, die Überferth ging gut von Statten, obgleich ein Konträrer Wind das Schiff in undagenehme Bewegung brachte die mir, der ich noch nicht wußte was mich später erwartete, schon sehr unbequem schien. Doch lief es ohne eigentliches Übelbefinde ab und wir kamen gesund und heiler Haut in der türkischen Hauptstadt an. Die Zuforth durch den Bosporus ist wirklich das schönste was man in der Welt sehen kann. Eben so ist die Stadt selbst als Dekorazion herrlich bei näherer Besichtigung aber verschwindet der Lauber. Die Moschein, besonders die Sänkte Sophia verdienen gan ihren Ruf und letztere hat auf mich mehr Eindruck gemacht, als jedes andere Kirchliche Ge­brunde, was freilich bei mir nicht viel senen will. Die Haiser aber durchaus von Holz; in den schmuzigsten, schlecht gepflastertste Strassen des Universums erkeln Einen bald an, und da wir zuglich festimmer schlechtes Wetter hatten, so war ich beinahe froh, als es wirde zur Ab­reise kam, obgleich noch ich nicht bereue eine Reise gemacht zu haben um es zu sehen, was ich glücklicherweise auch vor allen übrigen Gesehenen sagen kann. Von hier bei guten Welter nach den Dordanelle wo wir anhielten und im Begleichung des jungen Weiß, der dort Kon­sulsstelle vertritt die Ebene von Troga besuchten. Da dieser Besuch einer meiner Hauptzwecke war, so genügt wieder zu sagen, daß ich meine Erwartungen völlig befrieligt fand. Aber hier finge die ei­gentlichen Beschwerlichkeiten an. Zwei Tage ohne Unterlaß zu Pferde und endlich durch heftigen Wind gehindert, nach Tonodos, wie unser Absicht war, überzuführen, so daß wir um das östreichische Dompfschiff