Auernheimer, Raoul: Brief an Franz Karl Ginzkey. o.O., 4.5.1931
DR. RAOUL AUERNHEIMER
WIEN
III., NEULINGGASSE 13
4. 5. 1931.
Lieber u. verehrter Freund,
so darf ich Sie doch nennen
nach Ihrem mehr als freundlichen
Eintreten bei Staackmann, das,
wie ich Ihnen gleich mitteilen
möchte, einen durchschlagenden
Erfolg gehabt hat. Soeben erhielt
ich seinen Brief, der ein verlege=
risches „obwohl” enthält, aber in
umgekehrter Richtung, als ich befürch=
tete. Er schreibt nämlich, dass,
obwohl beschlossen wurde, alle
neuen Verbindungen abzulehnen,
er meine Novelle doch bringt,
weil sie ihm so überaus gut
gefällt. Er nennt sie ein „Kunst=
werk” Ƒ u. bittet um meine Be=
dingungen. Ich möchte nicht vorschnell
Ƒ, eine „ungewöhnlich feine u. künst=
lerisch wertvolle Dichtung,”