Auernheimer, Raoul: Brief an Hermann Bahr. Wien, 16.3.1919
mal recht. Aber glauben Sie nicht, daß,
wenn z. B. Pallenberg oder sonst ein
produktiver Charakteristiker - auch
Heine - die Figur spielen würde, sich
die Fülle teils aus dem Vorhandenen,
teils aus dem durch die Persönlichkeit
des Darstellers Gegebenen ganz von
selbst herstellen würde, u. daß es dann
vielleicht doch auch ein Verdienst des
Autors wäre, die Gelegenheit dazu
geschaffen zu haben? Lustspiele ent-
stehen eben wirklich erst im Wege der
Aufführung, ohne die alles doch nur
Andeutung bleibt. Womit ich, was
mir an Inhalt fehlt, natürlich nicht
beschönigen möchte. Die Frage ist nur, ob
das vorhandene mir in einem so lust-
spielarmen Land wie Deutschland es
ist, nicht eben doch den Anspruch auf
eine gewisse Beachtung u. Ermutigung
verschaffen müßte. Ohne auf diese Frage,
deren umständliche Erörterung künfti-
gen Bettelheimen neidlos überlassen bleibe, hier
Gott behüte näher einzugehen, will
ich nur meiner Freude darüber Ausdruck