Bahr, Hermann: Brief an Johann Viktor Krämer. München, 1.2.1925
tigten Münchener Grippen zu erwischen, die zunächst ganz harmlos scheinen und
nach einem Fieber von ein paar Tagen wieder verschwinden, aber nur um
ein paar Wochen später tückisch wiederzukommen, nach kürzeren oder längeren
Pausen immer wieder und jedes Mal ärger. Das hat mir voriges Jahr die
ganzen Ferien am Attersee verdorben und gerade jetzt kann ich mich von
einem ganz unerwarteten und diesmal besonders dauerhaften Anfall noch
immer nicht erholen. Ärzte meinen, ich sollte für ein paar Monate nach
dem Süden, wofür mir leider die Moneten nicht reichen. Aber jetzt hab ich
ja den Süden ins Haus bekommen und wenn ich jetzt täglich eine Zeit,
wenn schon nicht auf, so doch vor der Brücke Toledos sitze, kanns mir
nicht fehlen! Darum nochmals Dank und immer wieder Dank!
Mit den allerherzlichsten Jugendfreundesgrüßen und den schönsten
Empfehlungen an die Gattin
nochmals innigst dankend
Hermann Bahr