Berg, Alban: Briefe an Johannes Schüler. Wien ; Berghof, 23.2.1929
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16.) Brief vom 10.April 1932 aus Wien.
Mein Lieber,Dein Brief hat mich ungemein bewegt,ja aufgewühlt!
Bitte schreibe mir sofort,wer der Maßgebende bei der Vergebung der Gastkonzerte
ist --,der scheidende Weisbach doch nicht?! Bei dem hätte ich auch keine beson-
dere Chance,während ich natürlich mit Iltz und Horenstein glänzend stehe.Aber
ich schreibe natürlich an jeden,den Du mir nennst,auch Weisbach!
Unglückseligerweise kam einen Tag vor Deinem,ein Brief des K.M.
Schleunings,der heuer den Leipziger Wozzeck machte,und den ich für Wiesbaden
empfehlen sollte.Ich tat's natürlich (vorgestern) und weiß nun nicht,wie ich
es anstellen könnte,Dir dort zu helfen,was ich natürlich viel,viel lieber
getan hätte.
Ich beschwöre Dich:wenn Du je wieder etwas von einer Vakanz erfährst,die
für Dich in Betracht kommt,telegraphiere mir,damit um Gotteswillen nicht der
Fall eintritt,daß ich schon jemand anderen empfohlen habe.Ich bekomme jetzt
nämlich öfter solche Briefe und möchte ja so gerne helfen.Zugleich mit Deinem
Brief einen von Pella,der nach 5 Jahren aus Aachen herausgedrängt wird (von
Raabe!!!) und als Jude überhaupt keine Chance hat!!
Bitte schreibe umgehend Deinem Dich herzlichst grüßenden
Berg
17.) Brief vom Berghof,vom 23.August 1932.
Unanständig lang habe ich Deinen lieben Brief vom 13.6. nicht beant-
wortet,lieber Freund,Das besagt aber keineswegs,daß ich mich nicht sehr mit
Deinem Schicksal befaßte:mit Deiner anfängl.Stellenlosigkeit,dem Engagement
in Halle,etc.etc.Auch mit Ebert sprach ich viel und wärmstens von Dir.
Und nun bin ich ja sehr gespannt,wie's Dir in Halle gefallen wird und
gehen wird.Unsere besten Wünsche sind bei Dir!
Von mir nichts Neues:Immer noch Arbeit an "Lulu",was mich schon fast
deprimieren würde,wüßte ich nicht,daß jetzt ohnehin kein Platz für sie wäre.
Sie hat al so Zeit und -- ich lasse sie ihr.
Hoffentlich hast Du Dich in der Schweiz recht erholt und bist in
jeder Hinsicht in bester Verfassung.
Alles Liebe von uns.
Dein Berg
18.) Schwarzumränderte kleine Karte vom 18.Februar 1936.
Lieber Herr Schüler!
Von Herzen Dank für Ihre lieben Worte.Sie haben am Schaffen Alban Bergs
in so schöner Weise Anteil genommen und die wunderbaren Oldenburger Aufführun-
gen,die Alban damals so viel Freude machten,werden mir unvergeßlich sein.--
Eine Lichtgestalt hat uns verlassen;ich fürchte,ich finde mich nie mehr in
dieser dunklen Welt zurecht. --
Alles Gute!
Ihre Helene Berg