Berg, Alban: Brief an Erich Kleiber. Wien, 7.5.1929
führungsrecht besäße. Nun habe ich aber den Ein-
druck, daß dem nicht so ist, u. daß es zuminde-
stens nicht sobald zu einer Auff. kommt; das hieße
also, daß das Werk noch frei ist. Willst Du, bzw.
Hörth, nicht versuchen, es zu acquirieren. Ich
stelle mir vor, daß Du diesbezüglich in einem
netten Schreiben an Schönberg herantrittst, u.zw.
mit dezidierten Vorschlägen, diese neue heitere
Oper betreffend, als auch zumindestens einer der
früheren (Glückl.Hand oder Erwartung). Es ist ja
so viel wie sicher, daß diese Werke in Berlin in
allernächster Zeit drankommen, drankommen müssen.
Warum sollst also gerade Du es nicht sein, der
das macht! Das liegt ja auch auf Deiner Linie.
( Zum Unterschied von der Hindemit[h],Křenek=Linie)
Auch ist das Millieu der Linden-Oper ein viel
würdigeres als das des Republik-Zirkusses (das
könnte man in dem Brief an Schönberg erwähnen).
Diese Idee beschäftigt mich seit ein
paar Tagen. Schönberg hat ja nicht die geringste
Ahnung davon, und ich auch nicht,ob das Ganze
überhaupt von seinem Standpunkt aus diskutabel
ist. Aber auch ein Versuch wäre Deiner würdig.
Und gar,wenn er gelänge: ein Triumpf und,was
mehr ist:eine wahrhaft ganz große Sache !
Ueberlege Dirs bitte und behabdle die
Sache ansonsten ganz diskret. Besonders was meine
Person betrifft.
Nochmals Dank und alles Liebe Dir und
den Deinen von Deinem alten Alban Berg