Berg, Alban: Briefe an Rudolf Kolisch. Wien, 24.10.1930
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3.)Ansichtskarte aus Gera,12.November 1930.
Mein lieber Freund,Dein Telegramm,von dem ich annehme,daß es nicht
einmal ironisch gemeint ist,hat mich hier erreicht und mich sehr gefreut.Dank!
Nochmals auch Dank Euch Vieren für Euer Vorspielen in der Staatsoper,
womit mir ein großer Dienst geschah und auf das Ihr doch auch gewiß die Lehre
beherzigen werdet,Klassisches nicht mehr auswendig zu spielen!!!
Ich schreibe Euch zwischen Generalprobe und Premiere zum Wozzeck,die
sehr gut zu werden verspricht.Ich habe hier aber auch 6 Tage lang tüchtig
mitgearbeitet - u.dank dem famosen ....... (Rest fehlt)
2a)
Korrespondenzkarte aus Wien,express nach Berlin,29.X.1930 abends (irrtümlich XI)
Dank,mein Lieber,für Deine und Deiner Genossen Bereitwilligkeit.Ich
erfahre eben,daß Cl.Kr.Euch ½_8 Uhr (= 19 Uhr 30') erwartet (Samstag den
1.Nov.) Ich bin sehr,sehr froh darüber! -- Ich komme ohnehin in die Ravag zum
d-moll-Quartett und geh dann mit Euch Vieren zum Cl.Kr.(Oper).
Auf frohes Wiedersehn!
Dein Berg
Ansichtskarte,19.12. 30 (oder 31 ???) aus Wien
4.) Fröhliche Weihnachten Dir u.Deinen Genossen,u.falls in Paris,auch Frau
Josy! wünscht Dir von Herzen Dein Berg.
Vielen Dank für Deinen Brief aus London u.das Heidelberger Programm.Wie
freut mich Euer lyrisches Ensuitespiel!!! Tausend Dank! Erhol' Dich die paar
Ruhetage in Paris um Gotteswillen!
Leider weiß ich nie Deine Adresse (n) u.schreibe daher immer nach Berlin;
auch jetzt! Hoffentlich wird's Dir nachgesandt.
Wir sind immer noch in Wien.Leider. Vielleicht kommen wir im Januar nach
dem Süden! Hier ist's zu schrecklich in jeder Hinsicht! 10° Kälte,Pfriemer
Prozeß Freispruch!!!etc etc.
Kokoschka,der jetzt herrliche Bilder malt ist ab Weihnachten wieder in Paris.
Er möchte so gerne die lyr.Suite hören. Könnt' u.wollt Ihr ihn in seinem
Häuserl XIV/3 Villa de Camelia mit Euren Instrumenten aufsuchen.Das müßte ihn
sicher riesig freuen (u.mich auch natürlich)
Und nun alles Liebe von Deinem Berg.
5.) Brief vom 6.Januar 1931 aus Wien.
Mein lieber Rudi,so sehr es mich beglückt meine lyrische Suite von
Dir gespielt und der Mitwelt vermittelt zu wissen,so fürchterlich ist mir der
Gedanke an die Interpretation der Freund der Wozzeck-Bruchstücke. Ich war
seit jeher dagegen u.habe immer taube Ohren gemacht,wenn sie davon anfing (
(seit Jahren) daß sie die "Marie" ununterbrochen studiere....